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Es werden Posts vom Juli, 2021 angezeigt.

Stereotype und Othering

Stereotype sind zunächst mal überlebenswichtig - daher entwickeln wir die auch automatisch. Aber als aufgeklärte Menschen sollten wir lernen, die Stereotypen, die uns quasi automatisch kommen, abzulegen und uns eben nicht von ihnen leiten lassen. Fast alles an diskriminierenden und stereotypen Strukturen kann man als "Othering" zusammenfassen, und immer zieht dieses Othering eine Grenze zwischen dem "wir" und den "anderen", sei es die eigene Person, die Familie, die Stadt, die Nation, der Fußballverein, die Fangemeinde um das filmische oder Musik-Idol, die Partei, die Religion, die Figur, das Geschlecht, die sexuelle Orientierung, die eigene Ethnie, die eigene "Klasse", die eigene Spezies usw.: Wir Menschen suchen immer, wer wir sind, zu welcher Gruppe wir dazugehören und wo wir Rückhalt erfahren, und oft scheint es uns nötig zu sein zu wissen, wer nicht dazugehört, wen wir ausschließen, von wem wir uns abgrenzen und lustig machen können, um di

Wie viele Leben retten die CoViD-19-Masken?

In einer konkreten Zahl lässt sich das wohl nicht ausdrücken, aber es waren sicherlich ziemlich viele. Und zwar nicht nur unmittelbar, weil Luft und Aerosole gefiltert wurden, sondern insbesondere auch mittelbar, und das wird gerne vergessen und unterschätzt: Dadurch, dass die Maske vielerorts Pflicht wurde und ihr Vergessen mit Bußgeld geahndet wurde, waren sehr sehr viele Menschen täglich angehalten, an die Maske und damit indirekt auch an die Pandemie zu denken und dadurch ihr Handeln an die Pandemie anzupassen, häufiger Abstand zu halten und Hände zu waschen und sich mit weniger Menschen zu treffen usw. Die Maske wirkte durch die Maskenpflicht sozusagen wie ein "Erinnerungsknoten im Taschentuch" gegen die Vergesslichkeit der Menschen, die sonst möglicherweise ohne böse Absicht in alte Gewohnheiten gefallen wären und sich so häufiger infiziert hätten. Insofern hat die Maske mittelbar wohl ziemlich viele Leben gerettet. Ansonsten:

Leben ist wie die Pest!

Meistens habe ich diesen Gedanken gar nicht, aber wenn ich ihn habe, macht er mir sogar Spaß: Leben ist wie die Pest! Ständig greift es gierig nach der Materie, um sie aus ihrem wohlverdienten Ruhezustand in komplexe organische Molekularstrukturen zu zwingen. Das Leben treibt seine Träger von Leben unablässig an, dass sie sich selbst unsagbaren Stress unterwerfen, um das eigene Leben zu erhalten, Ressourcen zu suchen und sie zu verstoffwechseln und sich so gegen andere Träger von Leben in ständiger Konkurrenz zu behaupten. Damit nicht genug: Das Leben programmiert seine Träger auch noch derart, dass seine Träger es als die größte Lust empfinden, diese Pest sich auch noch auf weitere, neue Träger fortpflanzen zu lassen und auch hierfür sich teils in lächerlichen, teils blutigen Konkurrenzkampf zu begeben. Sich selbst könnte man recht leicht von dieser Pest befreien. Aber dem Planeten sitzt sie so fest im Nacken, dass selbst die heftigsten Meteoritenstürme, Vulkanausbrüche und Atomexp

Negative Erfahrungen bekommen mehr Aufmerksamkeit?

Zumindest reagieren wir schneller und nachhaltiger auf Schmerz/schlechte Erfahrungen als auf gute. Schon in unserer neuronalen Physiognomie sind wir so eingerichtet, dass Schmerzreize schneller und deutlicher in unserem Gehirn ankommen als alle anderen Sinneserfahrungen. Der Schmerz nimmt quasi immer die Überholspur. Wahrscheinlich führt dies in der weiteren Entwicklung dazu, dass "schmerzhafte", also negative Nachrichten auch intensiver, wichtiger wahrgenommen werden. Dies zeigt sich z.B. darin, dass viele Menschen "schaulustig" bei Unfällen und Tragödien sind. Wenn eine Person uns zehnmal die Wahrheit sagt, dann einmal lügt (und wir wissen dies), und danach weiterhin zehnmal die Wahrheit sagt, werden wir diese Person trotzdem noch lange als Lügner im Gedächtnis behalten. Wenn eine Person tausenden Menschen aktiv und nachweislich das Leben rettet und dann eine Person tötet, gilt für viele von uns das Lebenretten als fast nichts mehr und der einzelne Mord überscha

Sind Tiere genauso wichtig wie Menschen?

Das kommt darauf an für wen. Ein Grundprinzip allen Lebens, meine ich, ist der Selbst- und Arterhalt. Daraus abgeleitet ist jedes Leben sich selbst am wichtigsten, also das Leben eines Hundes ist diesem Hund wichtig, das Leben eines Menschen dem Menschen usw., und der Hundemutter ist ihr Hundenachwuchs am wichtigsten wie der Menschenmutter ihr Menschennachwuchs. Zusätzlich ist es meistens so, dass, je komplexer eine Lebensform ist, desto mehr sie von anderen Lebensformen abhängig ist. Prokaryoten können wahrscheinlich in fast allen Fällen autark leben ohne auf anderes Leben angewiesen zu sein. Bei eukaryotischen Einzellern mag es auch einige Formen geben, die dazu in der Lage sind, aber fast alle, wenn nicht sogar alle mehrzelligen Lebewesen angefangen von Pflanzen, Pilzen und Weichtieren über Insekten und Wirbeltiere sind wohla ausnahmslos auf die Existenz anderer Lebewesen angewiesen. In diesem Sinne hat wohl jedes Lebewesen eine Biosphäre aus anderen Lebewesen, Mineralien und klim

Scham

Als Menschen gehören wir zu den Herdentieren. In unserer sozialen Organisation liegt auch tatsächlich unser Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Spezies, nicht etwa in unserer Intelligenz oder der außergewöhnlichen Schärfe unserer Sinne oder Stärke unserer Muskelkraft. Wir verbrauchen nicht nur viel Ressourcen darauf, andere zu beurteilen, sondern auch darauf, darüber nachzudenken, wie andere möglicherweise uns beurteilen könnten. Letzteres machen - außer möglicherweise wenige andere Primaten zu einem deutlich geringeren Grad - außer uns Menschen keine anderen Lebewesen, die wir kennen. Unser Sozialgefüge setzt uns unter Druck dazuzugehören und wir vermeiden dadurch oft, zu viel von uns selbst zu zeigen aus Angst, andere zu irritieren und dadurch an Ansehen einzubüßen. Dabei passen wir dies, nämlich unsere Scham, immer an unser jeweiliges Umfeld an: Im Beisein guter Freunde haben wir eine andere Scham als im Beisein des Vorgesetzten oder gar, wenn wir uns völlig unbeobachtet fühlen -

Höchstes Prinzip? (Gott?)

Was einige Religionen aus sowas wie "Gott" gemacht haben, damit kann ich eigentlich nicht mitgehen. Ich kann eher mit den Ausführungen beispielsweise von Plotin gehen, der eine Art "höchstes Prinzip" formuliert. Mir scheinen die Welt, das Leben und das Bewusstsein nicht ganz zufällig entstanden zu sein, sondern die "Explosionsmasse des Urknalls" scheint sich durch die Wirkung dieses höchsten Prinzips nach und nach auf höheren Stufen "einzunorden". Ich sehe Evolution nicht als "zufällige Schichtpyramide", dass also aus Vorhandenem sich zufällig Neues entwickelt und wieder verworfen wird, wenn es sich nicht halten kann, sondern als etwas "Gezogenes", dass also, wie die Schwerkraft auf Wasser, das nach und nach zu einem Bach wird, der ins Tal gezogen wird (und nicht von oben geschoben), eine Art Kraft auf die Materie wirkt und sie in Formen bringt, die ihren Entfaltungsspielraum ausreizen um sich weiterzuentwickeln. Dem einzelne

Gewaltenteilung

Ich halte viel von der Idee der Gewaltenteilung in der Demokratie. Ich finde, diese Idee sollte Grundprinzip bei jeder Machtkonzentration sein: Bei Geld, medialer Reichweite, richtungsweisender Verantwortung usw. sollte es Schwellwerte der Macht geben, bei denen die Macht auf zwei nachweislich voneinander unabhängige Entscheider verteilt wird, die vor Entscheidungen zuerst einen Konsens oder Kompromis erzielen müssen. Ja, das könnte Prozesse lähmen. Ich fürchte, alles andere führt zu Autokratie.

Firnis der Zivilisation (EM21)

Fußball-Europameisterschaft 2021, Endspiel England:Italien, England verliert im Elfmeterschießen, weil drei der Spieler das Tor verfehlen. Diese drei Spieler haben eine dunkle Hautfarbe. Hochemotional über den verpassten Sieg beschuldigen nun viele englische Fußballfans pauschal alle Menschen dunkler Hautfarbe, dass England nicht gewinnen konnte, und geben ihrem Unmut Raum in Gewalt gegen jene und benutzen ungeniert das N-Wort in Verbindung mit weiteren grausamen Gewaltphantasien. "Die Firnis der Zivilisation ist dünn. An manchen Tagen ist sie sogar durchsichtig und erlaubt einen Blick in die Unterwelt" - so kommentiert eine Person das Geschehen in den sozialen Medien. Ich meine, die Firnis der Zivilisation ist sehr dünn. Wahrscheinlich - in anderen Zusammenhängen - auch bei uns...? Denn es sind ja durchaus Situationen denkbar, Extremsituationen, in denen die eine oder andere Person Dinge tun wird, die im zivilisierten Alltag fast für unvorstellbar gehalten wird. Das zei

Linksgrünversifft oder vernünftig?

In den sozialen Medien ergaben sich folgende Äußerungen meinerseits: Ich diskutiere gerne respektvoll, muss auch nicht immer absolut recht haben, versuche aber mit überprüfbaren Fakten und nachvollziehbar zu argumentieren. Ich bin nicht wirklich farbig in dieser Hinsicht, also rot oder grün oder so. Ich denke halt in vielen Fällen, dass wir besser fahren, wenn wir _inklusiv_ im Sinne der größtmöglichen Gemeinschaft denken statt exklusiv und in Abgrenzungen. -- Es gab den Einwand, dass man Spitzenkräfte nicht zu sehr überlasten dürfe -- Je größer eine Gemeinschaft, umso mehr Spitzenkräfte treten in ihr auf und umso mehr kann sie erreichen. Raumfahrt nehme ich da gerne mal als Messlatte, die funktioniert nicht in einer Gemeinschaft von 1000, sondern erst ab über 100 Millionen. Aber Du kannst da auch alles andere nehmen: Eine Gemeinschaft von 100 kann möglicherweise einfache Holz-Segelboote ohne Kajüte bauen, aber eine von über einer Million kann sich auch GFK usw. als Baustoff er

Racial Profiling

Ich kam heute etwas früher von der Arbeit, hole mir noch ein Abendessen von einem Imbiss und setze mich damit in die Stadt. Neugierig verfolge ich aus dem Augenwinkel eine Polizeistreife zu Fuß, die zu viert durch die Stadt schlendert: Gemütlich geht sie über einen belebten Busbahnhof, hält am anderen Ende an, ein Polizist schert aus. Was hat der wohl gewittert? Aber nein, der geht nur zu einem Geldautomaten, holt sich etwas Geld, kehrt zurück. Die Streife dreht, schlendert wieder über besagten Busbahnhof und ich packe flink mein Abendessen zusammen und beschließe, ihr einfach mal hinterherzuschlendern und eine Weile zu beobachten, was sie so macht. Die Polizeistreife macht ihren Weg in den Bahnhof, läuft an allen möglichen Leuten vorbei - da, eine Personenkontrolle. Zuerst sehe ich es von Weitem nicht, aber als ich näher komme: Die einzige dunkelhäutige Person auf dem ganzen Bahnsteig wurde gerade von dieser Polizeistreife kontrolliert, die nun durch die Unterführung unter den Bahnh