Direkt zum Hauptbereich

Privatsphäre und Entfremdung

Auf dem Rückweg von einer Arbeitsschicht kommen mir in der Bahn einige Gedanken, einerseits aus Beobachtungen der äußeren Umgebung, andererseits aus dem, was ich in der Bahn wahrnehme.
Zum Einen geht es um Spielplätze für Kinder, von denen ich einige wenige sehe; gleichzeitig sehe ich in mehreren Privatgärten Trampoline, Schaukeln, Rutschen uvm. Man sollte doch glauben, dass es für Kinder besser ist, wenn sie sich der Welt und insbesondere anderen, fremden Kindern zu öffnen und mit ihnen klarzukommen lernen als wenn sie sich übermäßig ins Private zurückziehen.
Zum Anderen haben sich in der Bahn in meinem beobachtbaren Umfeld immer wieder Menschen von ihrem Sit6nachbarn weg auf einen freigewordenen Doppelsitz gesetzt und ich frage mich, abgesehen davon, dass die Person, von der man sich weg setzt, sich fragen kann, ob ihre Nähe unerträglich ist, wann und warum diese Menschen verlernt haben, fremde Menschen in ihrer Fremdheit auszuhalten.
An anderer Stelle in diesem Blog hatte ich bereits festgestellt, dass mehr Wohlstand zu mehr Privatsphäre und diese zu mehr Entfremdung führen und somit die soziale Gemeinschaft gefährden kann. Aber was ist die Lösung? Sicherlich keine Verbote oder Zwang. Aber meiner Ansicht nach sollte die Gesellschaft und insbesondere diejenigen Menschen, die sich zur Aufgabe gemacht haben, die Gesellschaft in ihrer Entwicklung hauptverantwortlich zu gestalten, Politiker:innen in der einen oder anderen Form, deutliche Anreize schaffen, die die Gemeinschaft fördern. 
Während sich erfreulicherweise häufig darum gekümmert wird, dass die Menschen in ökonomischer Bedrängnis Almosen, teils reichliche Almosen bekommen, die eine vernünftige Lebensgrundlage ermöglichen, wird zu wenig dafür getan, dass der Teil der Gesellschaft, der ökonomisch reich ist, sich nicht zu weit ins Private isoliert und den Kontakt zur restlichen Gesellschaft verliert. Dabei würde die gesamte Gemeinschaft von weniger Spaltung und Isolation in Filter- und sozioökonomischen Blasen so ungemein profitieren und über sich hinaus wachsen. 

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Kynosarges 2520

Nachdem im vergangenen Blogeintrag ziemlich viel aufregendes geschehen ist, meist allerdings in unerfreulichem Sinn, ist die Tage darauf bis jetzt kaum etwas dergleichen passiert. Mit dem hochbetagten Freund gab es weitere lange Gespräche, weitere Ausflüge in die Umgebung und abends ein Glas Wein - so auch am Mittwoch, 06. August.  Am Donnerstag kam kurzfristig eine Freundin von ihm kurz zu Besuch, bei der mir auffiel, während ich mit ihm wie mit einer ehrwürdigen Respektsperson umgehe und sein umfangreiches Wissen wertschätze, dass sie ihn, vielleicht eher unbewusst, oder vielleicht war es auch nur mein Bauchgefühl, eher wie einen tattrigen alten Mann anspricht, den man nicht immer für voll nehmen muss und manchmal fast wie ein Kind behandeln kann. Überraschend war für mich vor allem, dass er sich ihr gegenüber gewissermaßen auch in diese Rolle begibt - beim gemeinsamen Teetrinken war er meinem Gefühl nach ein anderer, als wenn er mit mir alleine ist. Mich hat dies ein bisschen er...

Kynosarges 2522

Das Thema mit der erlebten Zeit lässt mich nach wie vor nicht los: Heute ist Mittwoch, 27. August am Abend und ich hatte mich kurzfristig entschlossen, die letzten zweieinhalb Tage nach meiner letzten Schicht zuhause zu verbringen. Für einige Zeit saß ich draußen in einem Café und las im genannten Buch über die deutschen Völker im ersten nachchristlichen Jahrtausend, die übrige Zeit, abgesehen von zwei Verteilaktionen Montag und Dienstag, verbrachte ich zuhause liegend mit abwechselnd Schlaf und YouTube-Videos. Diese Zeit blieb quasi ohne weitere Eindrucks verging entsprechend gefühlt recht schnell.  Ganz im Gegensatz zur vorherigen Zeit während der 48h-Schicht Samstag auf Montag: Samstag Nachmittag zu Sonntag Abend für knapp 30 Stunden waren die Klientin mit Partner und Hund und ich im stellenweise noch sehr ruinenhaften Ahrtal, zunächst im dörflichen Altenahr in einem Hotel, dann am nächsten Mittag in Mayschoß auf einem Spaziergang in den Weinbergen und am Abend im städtischen Ba...

Kynosarges 2521

Erneut ist es so, dass innerhalb weniger Tage viele verschiedene Ereignisse sich aneinanderreihten, die die Erlebnisse der letzten Wochen zeitlich in die Ferne schieben. Gerade sitze ich in Straßburg in einem Café, lade mein Tablet auf und beginne hier zu schreiben. Es ist Freitag, 22. August, um die Mittagszeit. Für mein Boot habe ich bereits ein paar Besorgungen machen können, doch muss ich die heute noch einbauen und testen, bevor ich nachts mit dem Zug wieder nach Hause fahre und morgen wieder in einen 48h-Arbeitseinsatz gehe. Am vorigen Tag, gestern, kam ich mit einem Nachtzug früh morgens in Kehl an, ging zu Fuß nach Straßburg zu meinem Boot und legte mich erstmal noch für etwa zwei Stunden hin. Dann machte ich mich mit meinem Rad auf den Weg zu einem Baumarkt in der Innenstadt und hatte vorsorglich eine Fahrradpumpe dabei, die ich mehrmals auf dieser Strecke brauchte, auch, weil ich selbst zur Verschlimmerung beigetragen hatte: Die Verbindung zwischen Ventil und Schlauch war ber...