Jeder Mensch verfügt über einen moralischen Kompass, in etwa so etwas wie das Gewissen. Damit "weiß" - bewusst oder unbewusst - jeder Mensch, ob das, was er tut, richtig oder falsch ist. Es mag eine graue Zone dazwischen geben, die einer individuellen Interpretation bedarf, aber es gibt auch ganz klare Bereiche moralischer Gebote und Verbote, und jeder Mensch kennt diese.
Wenn sich also ein Selbstmordattentäter oder ein vergewaltigender Soldat zunächst Absolution durch eine geistliche oder weltliche Autorität holt, dann ist dies doch ein Zeichen dafür, dass sein Gewissen funktioniert, dass er also eigentlich weiß, dass das, was er tun will, schlecht ist. Das Gewissen kommt, wenn man so will, aus der "göttlichen Schöpfung", die Absolution kommt aus Menschenmund: Welchem Weg sollte man da besser folgen? Welcher ist dem Wahren und Guten näher?
Donnerstag Nacht, 09. Juli, im Bus von Lyon nach Köln: In der Nacht vom 04. auf den 05. Juli kam ich ja mit einer Portion Glück in Mulhouse an. Nach dem Fußball-Chaos auf den Straßen ging ich erstmal wieder zurück zum Bahnhof in der Hoffnung, die Person aus Blablacar, der ich für 03:00 Uhr eine Buchungsanfrage geschickt hatte, würde in letzter Minute noch antworten und mich mitnehmen. Dem war so aber nicht. Es gab ein weiteres Inserat für 03:20 Uhr, aber auch dieses blieb ohne Bestätigung, genauso bei einem um 04:40 Uhr und um irgendwann nach 05:00 genauso. Da hatte ich allerdings schon längst beschlossen, zu versuchen, zu trampen, und war schon auf dem Weg zur Autobahnauffahrt bzw. dann gegen 04:45 Uhr dort angekommen. So langsam graute der Morgen, und mir graute es auch, denn Verkehr auf die Autobahn gab es kaum und, inzwischen über eine Stunde Fußweg vom Bahnhof entfernt, sah ich im Fahrplan, dass ab zwischen 05:00 und 06:00 Uhr bereits wieder Züge für meine Reiserichtung fuhre...
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