Direkt zum Hauptbereich

Sehen Kinder die Welt klarer?

Das kann man so einfach nicht beantworten. Man muss zunächst klären, was "die Welt sehen" und was in diesem Zusammenhang "klar(er)" bedeutet, und schon kommt man in philosophische Grundsatzdiskussionen:
Was ist denn "die Welt"? Und was ist "sehen"? Seit Kant gilt, dass "das Ding an sich" für uns unzugänglich, unerkennbar ist - wir können nur Aussagen darüber treffen, wie es uns erscheint. Und seit dem "Linguistic Turn" gilt sogar, dass die Welt und ihre Dinge für uns nur dadurch erkennbar sind, wenn und weil wir für sie Worte, Begriffe haben. Wir begreifen also nichts wofür wir nicht einen Begriff haben. Wenn wir "sehen" als "begreifen" verstehen, dann sehen wir nichts, wofür wir keine Begriffe haben. Und Begriffe stellen sich uns erst durch Erfahrung ein. Kommen wir als Baby auf die Welt, machen wir zwar fortwährend Sinneserfahrungen, jedoch "sehen" wir dabei so lange noch nichts, solange wir dafür keine Begriffe haben. Unsere Sinneserfahrungen sind dann zwar ursprünglicher, weil wir sie nicht irgendwelchen oder nur sehr wenigen, rudimentären Begriffen zuordnen. Aber was sehen wir dann dadurch, falls wir überhaupt etwas sehen?
Nein, wir müssen zuerst eine entsprechend große Begriffsdichte erreichen, bevor wir diese hinterfragen, klarer analysieren und dann möglicherweise bewusst neu ordnen können. Und das, meine ich, geschieht erst bei fortgeschrittener Entwicklung und Erfahrung.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Kynosarges 2520

Nachdem im vergangenen Blogeintrag ziemlich viel aufregendes geschehen ist, meist allerdings in unerfreulichem Sinn, ist die Tage darauf bis jetzt kaum etwas dergleichen passiert. Mit dem hochbetagten Freund gab es weitere lange Gespräche, weitere Ausflüge in die Umgebung und abends ein Glas Wein - so auch am Mittwoch, 06. August.  Am Donnerstag kam kurzfristig eine Freundin von ihm kurz zu Besuch, bei der mir auffiel, während ich mit ihm wie mit einer ehrwürdigen Respektsperson umgehe und sein umfangreiches Wissen wertschätze, dass sie ihn, vielleicht eher unbewusst, oder vielleicht war es auch nur mein Bauchgefühl, eher wie einen tattrigen alten Mann anspricht, den man nicht immer für voll nehmen muss und manchmal fast wie ein Kind behandeln kann. Überraschend war für mich vor allem, dass er sich ihr gegenüber gewissermaßen auch in diese Rolle begibt - beim gemeinsamen Teetrinken war er meinem Gefühl nach ein anderer, als wenn er mit mir alleine ist. Mich hat dies ein bisschen er...

Kynosarges 2522

Das Thema mit der erlebten Zeit lässt mich nach wie vor nicht los: Heute ist Mittwoch, 27. August am Abend und ich hatte mich kurzfristig entschlossen, die letzten zweieinhalb Tage nach meiner letzten Schicht zuhause zu verbringen. Für einige Zeit saß ich draußen in einem Café und las im genannten Buch über die deutschen Völker im ersten nachchristlichen Jahrtausend, die übrige Zeit, abgesehen von zwei Verteilaktionen Montag und Dienstag, verbrachte ich zuhause liegend mit abwechselnd Schlaf und YouTube-Videos. Diese Zeit blieb quasi ohne weitere Eindrucks verging entsprechend gefühlt recht schnell.  Ganz im Gegensatz zur vorherigen Zeit während der 48h-Schicht Samstag auf Montag: Samstag Nachmittag zu Sonntag Abend für knapp 30 Stunden waren die Klientin mit Partner und Hund und ich im stellenweise noch sehr ruinenhaften Ahrtal, zunächst im dörflichen Altenahr in einem Hotel, dann am nächsten Mittag in Mayschoß auf einem Spaziergang in den Weinbergen und am Abend im städtischen Ba...

Kynosarges 2521

Erneut ist es so, dass innerhalb weniger Tage viele verschiedene Ereignisse sich aneinanderreihten, die die Erlebnisse der letzten Wochen zeitlich in die Ferne schieben. Gerade sitze ich in Straßburg in einem Café, lade mein Tablet auf und beginne hier zu schreiben. Es ist Freitag, 22. August, um die Mittagszeit. Für mein Boot habe ich bereits ein paar Besorgungen machen können, doch muss ich die heute noch einbauen und testen, bevor ich nachts mit dem Zug wieder nach Hause fahre und morgen wieder in einen 48h-Arbeitseinsatz gehe. Am vorigen Tag, gestern, kam ich mit einem Nachtzug früh morgens in Kehl an, ging zu Fuß nach Straßburg zu meinem Boot und legte mich erstmal noch für etwa zwei Stunden hin. Dann machte ich mich mit meinem Rad auf den Weg zu einem Baumarkt in der Innenstadt und hatte vorsorglich eine Fahrradpumpe dabei, die ich mehrmals auf dieser Strecke brauchte, auch, weil ich selbst zur Verschlimmerung beigetragen hatte: Die Verbindung zwischen Ventil und Schlauch war ber...