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Sehen Kinder die Welt klarer?

Das kann man so einfach nicht beantworten. Man muss zunächst klären, was "die Welt sehen" und was in diesem Zusammenhang "klar(er)" bedeutet, und schon kommt man in philosophische Grundsatzdiskussionen:
Was ist denn "die Welt"? Und was ist "sehen"? Seit Kant gilt, dass "das Ding an sich" für uns unzugänglich, unerkennbar ist - wir können nur Aussagen darüber treffen, wie es uns erscheint. Und seit dem "Linguistic Turn" gilt sogar, dass die Welt und ihre Dinge für uns nur dadurch erkennbar sind, wenn und weil wir für sie Worte, Begriffe haben. Wir begreifen also nichts wofür wir nicht einen Begriff haben. Wenn wir "sehen" als "begreifen" verstehen, dann sehen wir nichts, wofür wir keine Begriffe haben. Und Begriffe stellen sich uns erst durch Erfahrung ein. Kommen wir als Baby auf die Welt, machen wir zwar fortwährend Sinneserfahrungen, jedoch "sehen" wir dabei so lange noch nichts, solange wir dafür keine Begriffe haben. Unsere Sinneserfahrungen sind dann zwar ursprünglicher, weil wir sie nicht irgendwelchen oder nur sehr wenigen, rudimentären Begriffen zuordnen. Aber was sehen wir dann dadurch, falls wir überhaupt etwas sehen?
Nein, wir müssen zuerst eine entsprechend große Begriffsdichte erreichen, bevor wir diese hinterfragen, klarer analysieren und dann möglicherweise bewusst neu ordnen können. Und das, meine ich, geschieht erst bei fortgeschrittener Entwicklung und Erfahrung.

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