Montag, 07. September, nach einer Frankreich- und München-Reise im Zug von Mannheim nach Hause:
Seit meinem letzten Eintrag vom 10.08. sind vier Wochen vergangen. Ich sollte versuchen, zukünftig wieder weniger Zeit zwischen den Einträgen vergehen zu lassen.
Zunächst wäre da der Umzug eines Freundes von Mannheim nach Schleswig einschließlich Proa-Besichtigung in Glücksburg:
Am 10. August fuhr ich nachmittags mit dem Zug bis Ludwigshafen, holte abends mein Auto und fuhr damit zu einer Kletterhalle, wo ich mich mit meinem Freund treffen wollte, aß dort zu Abend und verbrachte eine angenehme Zeit (ich schrieb den letzten Blogeintrag dort in einer Hängematte fertig). Da die Wohnung des Freundes inzwischen schon vom Nachmieter benutzt wurde, gingen wir nachts zum Schlafen zu einer alten Freundin von ihm und holten am nächsten Morgen nach dem Frühstück zwei große Umzugsfahrzeuge. Diese wurden nacheinander bis zum Rand gefüllt, dafür hatte er vier Helfer beordert, dennoch mussten einige Dinge im Keller zurückbleiben. Ende September werde ich die noch transportieren. Mit den vier Helfern ging alles so schnell, dass wir bis zur offiziellen Wohnungsübergabe noch über eine Stunde hatten, die wir nutzten, um mit einem vollen Wagen zum Rhein zu fahren und dort zu baden. Der Rhein war so flach, dass ich gut bis zur Hüfte in die Strömungsmitte gehen konnte. Wieder zurück, nachdem alles erledigt war, fuhren wir mit den zwei Fahrzeugen nach Norden. Mindestens bis Neumünster wollten wir kommen und dort die Nacht verbringen. Wir glaubten, auf einer Matratze auf einer ausgeklappten Laderampe der Fahrzeuge sei das eine gute Idee. Dann allerdings wurde es nachts so kalt, dass wir lieber jeder in seinem Führerhaus schlafen wollten. Nach einer relativ wenig bequemen Nacht ging es morgens weiter, den Rest der Strecke bis nach Schleswig. Mit seiner Partnerin und den Kindern war er in einer AirBnB-Wohnung untergebracht, bis das neue Haus bezugsfertig würde; bei letzterem stellten wir nur die Transporter ab. Er und seine Partnerin liehen mir ihren Kleinwagen, mit dem ich am Nachmittag nach Glücksburg fahren und mir von einem YouTuber seine beiden Proas zeigen lassen konnte. Einige interessante Infos und Details konnte ich da mitnehmen und in meine bisherigen Pläne integrieren, nämlich dass ich mit den Flaschen, Netzen, Stangen und Planen weitaus stärker nach dem Prinzip Skin on Frame vorgehen muss und mein Boot noch besser auf die Kräfte vorbereiten muss, die durch Wind und Welle auf es wirken können, insbesondere starke Böen und brechende Wellen und dass ich als nächstes ein ganz einfaches Krebsscherensegel mit Ausleger an meinem bisherigen Flaschenkanu ausprobieren soll. Auch einige Spezialitäten für Shunting und Ruderwechsel schaute ich mir an. Am Abend nach dem Treffen ging ich noch baden in der Flensburger Förde und war überrascht, wie kalt dort das Wasser war im Vergleich zu den Seen in Italien und auch noch zum Rhein in Mannheim, dann fuhr ich zurück zu meinem Freund und seiner Familie. Nach einer Nacht in seinem Camper machte ich mich, nun am Donnerstag, 13. August, wieder auf den Rückweg, ging hierfür einige Kilometer zu Fuß bis nach Schleswig in die Stadt hinein und nahm dann den Zug über Hamburg, von dort aus mit ICE zu mir nach Hause, durch Zugverspätungen erst weit nach Mitternacht.
14. auf 15. August bis 18:00 hatte ich eine Arbeitsschicht von knapp 30 Stunden, die ohne besondere Vorkommnisse verlief.
Vom 15. bis 19. August wollte ich nach Mâcon fahren, bei meinem Boot nach dem Rechten sehen und mit Reparaturen am Motor beginnen:
Die Arbeit ging bis 18:00 Uhr, um 19:00 Uhr hatte ich einen SuperSparPreis-ICE nach Karlsruhe in die Nacht und von Ettlingen aus eine Blablacar-Verbindung bis zum frühen Morgen in die Außenbereiche von Mâcon. Der Fahrer und sein Beifahre-Freund sprachen gut Deutsch, arabisch, italienisch und französisch und möglicherweise noch weitere Sprachen. Arabisch sprechend weckten die beiden etwas Argwohn und Vorurteile in mir, doch letztlich zeigten sie sich super freundlich. Nach einer kleinen Wanderung zum Hafen und Regelung der offenen Fragen mit dem Hafenmeister war ich schließlich etwas erschöpft am Boot. Außerdem kündigte sich eine Erkältung an, vielleicht schon durch den Italienurlaub begonnen, da wiederholtes bzw. längeres Schwimmen fast immer meine Nebenhöhlen angreift. Sicherlich hat das Baden in der Flensburger Förde die Sache verstärkt. Dementsprechend setzte ich nur das Boot von einem Stellplatz um zu einem anderen, vier Stege entfernt, was ohne Motor und mit Wind im Hafen durchaus eine komplizierte Aufgabe für mehrere Stunden war, das Boot mit möglichst langer Leine am ersten Steg befestigen, dann mit Schwung zum nächsten treiben lassen, wenn durch den Wind das Boot abdrehte, dann noch einmal, vorsichtig, um nicht andere Boote zu beschädigen, dann mit langer Leine am zweiten Steg befestigen, sich an der ersten Leine wieder zum ersten Steg zurück ziehen, die Leine lösen und sich an der zweiten Leine wieder zum zweiten Steg ziehen, dann dort vorsichtig um alle Boote herum zur anderen Stegseite bugsieren, lange Leine befestigen und wieder abstoßen. Das Ganze dauerte mehrere Stunden, auch, weil die ersten beiden Stege mit Algenteppichen umgeben waren, und war sicherlich ein interessantes Hafenkino für einige, die währenddessen auf ihren Booten waren. Abends hatte ich es schließlich geschafft und ging in die Hafenbar. Die folgenden Tage machte ich mein altes, klappriges Rad an Bord flott, außerdem auch den Bordstrom, besuchte die Stadt und ruhte mich ansonsten aus. Am 19. August nahm ich einen halbwegs günstigen TGV nach Straßburg und von dort Deutschlandticket-Züge mit einer kleinen IC-Überbrückung, damit ich es noch in der Nacht nach Hause schaffen konnte.
20. auf 22. August bis 18:00 Uhr hatte ich eine erweiterte Doppelschicht von etwa 55 Stunden, die ebenfalls ohne besondere Vorkommnisse verlief. An einem der Abende gingen die Klientin, ihr Partner, ein Kollege von mir und ich mit der Teamleitung in ein Restaurant, um dort bei gemütlichem Abendessen die bald anstehende Teneriffa-Reise der Klientin ordentlich zu planen, die von uns gemeinsam in dieser Konstellation, ohne die Teamleitung, Mitte September für knapp zwei Wochen stattfinden würde. Gleichzeitig war der Klientin ein drängendes Thema, einen Kollegen von mir loszuwerden, dessen starkes Rauchen, Hygiene und weitere Elemente seines Handelns ihr unerträglich geworden waren. Die Teamleitung versprach Abhilfe, bat allerdings um Geduld.
Am 22. Abends ging ich nach Hause und versuchte, für die am folgenden Tag kommende Couchsurferin, die ich vor einigen Wochen bei Karlsruhe besucht hatte, etwas Ordnung bei mir zu schaffen. Nicht gut, aber immerhin doch ein wenig Verbesserung konnte ich erreichen. Als sie laut ihren Nachrichten abends auf meine Stadt zu rollte, nahm ich mir spontan ein Leihrad (ich muss meine vielen Räder endlich mal reparieren) und fuhr ihr entgegen, um dann gemeinsam mit ihr die letzten etwa 10km bis zu meiner Wohnung zu fahren. Dabei hatten wir gute Gespräche, doch weil es schon recht spät war, verzichteten wir auf eine Stadttour und gingen bald schlafen, insbesondere, weil ich meiner Klientin zugesichert hatte, wegen eines ihr unangenehmen Kollegen von mir, am nächsten Morgen früher zu ihr zu kommen und mit ihr einen Termin wahrzunehmen, während er nur mit Hundehüten betraut war. Die Couchsurferin und ich verließen also gleichzeitig am nächsten Morgen früh mein Haus.
24. auf 25. August bis 10:30 hatte ich mit zusätzlichem Vorlauf eine reguläre 24h-Schicht, die weiterhin ohne besondere Vorkommnisse verlief; die letzte für mich im August, denn auch wenn dann wegen des genannten Kollegen Vertretungsbedarf bestand, war ich für die kommenden etwa zwei Wochen nicht mehr verfügbar:
Vom 25. August bis 07. September begleitete ich den hochbetagten Freund, inzwischen fast 92 Jahre alt, der bereits einige Male hier genannt worden war, auf einer Reise zunächst durch Frankreich für Kathedralen und Kunstmuseen und zuletzt für Besuche bei Geschwistern und Freunden überwiegend in und um München. Zunächst fuhr ich mit dem Zug nach Mannheim, dort stand noch mein Auto, und mit diesem nach Stuttgart, wo der Freund wohnt. Wir sprachen lange bis in den späten Abend und gingen schlafen. Am nächsten Morgen, 26. August, packten wir, holten noch einen Mietrollstuhl, denn der Freund konnte nur noch wenige Schritte gehen, und fuhren los, zunächst nach Straßburg. Dort besuchten wir das Stadtviertel Petite France, aßen dort zu Mittag, und gingen dann zum Münster und anschließend in ein Museum zum Münster. Zu Abend aßen wir an der Place Kléber; für die Nacht hatten wir ein Hotel, genauso für alle weiteren Nächte bis München. Am 27. fuhren wir nach Paris, da war unser Hotel an der Porte d'Orleans. Als wir am Hotel angekommen waren, überraschte uns ein massiver Wolkenbruch, der uns für einige Minuten im Wagen gefangen hielt, dann checkten wir ein und unternahmen nur noch einen Spaziergang in die Stadt. Am folgenden Tag gingen wir in den Louvre bis zum Abend, dann japanisch zu Abend essen und von dort durch die Tuileries, die allerdings durch ein Ballonschauspiel gesperrt waren, zu den Champs Élisées und schließlich bis zum Arc de Triomphe, von wo wir einen Bus zum Hotel nahmen.
Den Tag darauf wollten wir weiteren Museen widmen und verbrachten so den Vormittag im Musée d'Orsay, kehrten zum Mittag ein bei einem Bistro, in dem wir wegen Regen erneut gefangen verbleiben mussten, und besuchten danach das Museum l'Orangerie mit den großen Seerosenbildern Monets und zuletzt noch die Kathedrale Notre Dame. Nach dem Abendessen auf der Rive Gauche gingen wir wieder ins Hotel. Für den 30. hatten wir weitere Museen auf dem Programm, zunächst Rodin, dann Moreau - hier fand ich erstaunlich, wie mein Freund, mit mehreren Pausen recht steil vier Stockwerke hinauf und dann wieder hinunter stieg - , und zum Schluss Marmottan, wo wir weitere Bilder Monets und Berthe Morisots sehen konnten, dann gingen wir nach einem Abendessen wieder ins Hotel. Am 31. fuhren wir zur Kathedrale St. Dénis, dann zu der von Senlis, wo wir auch zu Mittag aßen in einem bretonischen Bistro, dann zu der von Beauvais mit ihren zahlreichen Unfällen - gleichzeitig wurde mir klar, dass ein früherer Bischof von Beauvais, ein gewisser Cauchon (klingt vielleicht nicht nur zufällig wie "Cochon - Schwein") maßgeblich für die Verurteilung und Verbrennung Jeanne d'Arcs verantwortlich war, das rächt sich vielleicht - , und zuletzt Amiens für die wahrscheinlich größte und schönste unter allen diesen Kathedralen; dort blieben wir für die Nacht. Die Kathedrale von Amiens besuchten wir am nächsten Vormittag, machten uns dann auf nach Laon für eine weitere Kathedrale und eine schöne mittelalterliche Altstadt und fuhren abends bis nach Reims für zwei Nächte und dazwischen Kathedralen- und Museumsbesuch während des 02. Septembers.
Am 03. fuhren wir über Metz - hier ein Halt für die Kathedrale - und über Mainz - ebenso für die Kathedrale - nach Frankfurt, um dort den Bruder meines Freundes zu treffen, der, inzwischen ebenfalls hochbetagt, noch in den Betrieb eines Demeterhofs involviert war. Wir übernachteten in der Nähe und besuchten ihn am Vormittag noch einmal, bevor wir dann von dort nach München aufbrachen, wo wir abends ankamen, bei einer der beiden ebenfalls hochbetagten Schwestern meines Freundes, der 95-jährigen, bei der wir drei Nächte schlafen konnten. Am darauf folgenden 05. September fuhren wir nachmittags zu seiner anderen, mit fast 98 Jahren ältesten und leider in hohem Maße dementen Schwester meines Freundes, die in einer geeigneten Einrichtung untergebracht war. Den nächsten Tag besuchten wir nachmittags zunächst eine alte Freundin von ihm aus Kindheitstagen und danach eine weitere aus seiner Studienzeit bis in den späteren Abend hinein - beide kannte ich schon von vorherigen Besuchen mit ihm, gewissermaßen gehörte es zu seinem Standardprogramm, neben seinen Geschwistern diese beide zu besuchen. Die letztere der beiden hatte schon seit Jahren zur Tradition werden lassen, ihn mit neuen Gerichten zum Abendessen zu überraschen, so auch an diesem Abend. Danach fuhren wir wieder nach Hause zu seiner Schwester, wo inzwischen auch deren Tochter, seine Nichte, zugegen war, mit der er sich noch ein Stündchen austauschte, bevor ich sie nach Hause in München fuhr, da sie seinetwegen die letzte Bahnverbindung versäumt hatte. Am nächsten Morgen fuhren er und ich wieder zu ihm nach Stuttgart, danach brachte ich den geliehenen Rollstuhl wieder zurück, ließ meinen Wagen in Mannheim und fuhr mit der Bahn in meine Stadt für eine Konferenz zu dritt nach mehreren Monaten Pause. Während dieser Bahnfahrt, inzwischen am 07. September, begann ich diesen Eintrag.
Spät abends ging ich zu meiner Klientin, um mit ihr, ihrem Partner und einem Kollegen am nächsten Tag, 08. September, nach Teneriffa zu fliegen und dort bis zum 19. September zu bleiben:
Vom Flug bis zur Ankunft im Hotel gab es keine nennenswerten Vorkommnisse, im Hotel war auch alles wie bei den letzten Malen, die Klientin, ihr Partner und ich bezogen gemeinsam ein Appartement, der Kollege reiste mit als Freund auf eigene Rechnung mit eigenem Zimmer und bekam während des Aufenthaltes drei Arbeitsschichten zugeteilt, der Partner eine, und ich mit acht den Rest, zunächst zusammen mit dem Anreisetag eine Doppelschicht, dann eine der Kollege, dann ich wieder eine, gefolgt von einer des Partners, dann ich wieder doppelt, der Kollege zum zweiten Mal, ich erneut doppelt, der Kollege mit seiner letzten und zum Schluss nochmal ich mit einer, dann würden wir wieder in Deutschland sein. Am 09. September also, dem ersten Tag vor Ort, gingen wir wie so unzählige Male vorher die Strandpromenade auf und ab und kauften neue so genannte "Teneriffa-Outfits". Am Tag darauf, während der Kollege am Zug war, ging der Partner tauchen und ich hielt mich überwiegend an Pool und Strand auf. Als ich am Folgetag, 11. September, nach dem Frühstück übernehmen sollte, war großes Theater, weil der Kollege die Morgenroutine nicht zur Zufriedenheit der Klientin gemacht hatte und ich sie retten sollte. Der Partner holte zwischenzeitlich wieder einen Mustang für zwei Tage anlässlich des Geburtstags der Klientin, mit dem gingen wir dann auf Tour, ein bisschen planlos teils in die Berge und dann wieder an die Küste, um dort zu essen, und dann wieder an die heimische Strandpromenade, um weiter zu konsumieren. Den Tag darauf hatte ich zwar frei, da aber der Partner die Klientin nicht ohne Unterstützung ins und aus dem Auto tragen konnte, fuhr ich auf deren Bitte mit den beiden mit. Fairerweise sollte ich ergänzen, dass dies nur den Nachmittag betraf. Über Mittag konnte ich sowohl im Meer als auch im Pool relaxen. Später gab es Abendessen in einem Fischrestaurant mit Freunden, die aus willkürlichen Hotel-Bekanntschaften bestanden und aus meiner Perspektive anstrengend waren. Am nächsten Tag, Sonntag, 13. September, hatte ich wieder eine Doppelschicht, die bis zum Abend des 14. gut verlief - an diesem heutigen Abend möchte ich endlich den Eintrag abschließen.
Wenn ich am 20. September zurück und mit der Arbeit fertig sein werde, werde ich wieder zu meinem Boot fahren, am 24. nachts mit Flixbus zurück, dann am Wochenende werde ich mein Kind haben, am 28. dem Freund, der von Mannheim weg an die Ostsee umgezogen ist, den Rest seiner Sachen transportieren, am 02. Oktober habe ich wieder eine Doppelschicht, am 07. eine einzelne, ab 09. am Wochenende wieder mein Kind, 12. und 15. wieder Schichten und ab 18. werde ich mit meiner Mutter und evtl. mit meinem Kind zusammen nach Kreta reisen bis zum 28., dann ist nach einer letzten Schicht am 29. der Monat vorbei.
Während der Reise mit dem hochbetagten Freund ergab sich im Gespräch mit seinem Bruder ein interessanter Gedanke, der mir so konkret vorher noch nicht gekommen war:
Bislang hielt ich "Leben" für ein emergentes Phänomen, das irgendwann in der Erdgeschichte aus einer günstigen Zusammenstellung unbelebter Materie und Energiezufuhr entstanden ist. Aber anders herum ergibt es durchaus mehr Sinn: Nicht etwa entsteht Lebendiges aus Totem, sondern Totes entsteht aus Lebendem, das Lebende steht am Anfang, und es besteht auch nicht zB aus Proteinen, sondern diese Strukturen sind nur Träger, Werkzeug dafür. Gut, damit kann man schnell in die Sphäre der Esoterik geraten, unbefriedigend für mich, da ich gerne mit Plausibilitäten gestützt durch Kausalität und Empirie arbeite und wenig mit unbelegten Behauptungen anfangen will. Dennoch lässt sich nicht leugnen, dass alle bisherigen Versuche gescheitert sind, über eine so genannte "Ursuppe" oder ähnliches aus unbelebten Bausteinen und zB elektronischer Bestrahlung Urformen belebter Organismen zu erzeugen, wohingegen die andere Prozessrichtung ja offensichtlich ist. Das würde allerdings ja bedeuten, dass der Urknall in irgendeiner Form ein lebendiges Phänomen gewesen sein muss, genauso wie Sterne und die Prozesse in ihnen, was zu einer Interpretation von Leben jenseits von verstoffwechselnden Proteinstrukturen führt, womit wir zumindest ein materialistisch-physikalistisches Weltbild verlassen. Es schadet ja nicht, dies gedanklich mal zu tun, ich werde also in Zukunft weiter darüber nachdenken. Über uns als das Wasser in uns mit den Proteinstrukturen als Gerüst, als Korsett, um das Wasser in Form zu halten, hatte ich mich an anderer Stelle ja auch schon geäußert. Dieser neue Gedanke passt zu solchen Überlegungen und lädt dazu ein, in Betracht zu ziehen, ob nicht auch schon das Wasser ein Schritt niedriger ist und Leben eher im Bereich Wärme/Energie verortet ist.
Das führt mich zu weiteren Gedanken, die während der Fahrt aufkamen:
Mit möglicherweise jeder technologischen Entwicklung, eigentlich, um unser Leben zu erleichtern, holten wir Menschen sprichwörtlich oder sogar ganz offensichtlich etwas Dunkles in unser Leben, sei es durch die Entwicklung von Eisen, von Erdöl, von Elektrizität und Digitalisierung. Mit jedem dieser Schritte, wie auch mit vielen anderen, verloren wir Menschen ein Stück mehr unsere Unschuld, denn mit jedem gewonnenen Freiheitsgrad kamen auch neue Grade der Bestialität hinzu, und wenn man es esoterisch fortführen will, so kann man durchaus fragen, was es damit auf sich hat, dass für dunkles, hartes Eisenerz aus den Tiefen der Erde schwarze Kohle nötig ist und Erdöl ebenfalls dunkelschwarz aus den Tiefen der Erde kommt. Ich bin kein Freund reiner Esoterik, nehme solche Überlegungen dennoch zur Kenntnis. Das Gespräch kam u.a. darauf über Gold und Geld, Gold, das ursprünglich wohl nur seines schönen Aussehens wegen geschätzt und genutzt wurde, dann mehr und mehr Träger von Wert wurde bis hin zu Münzen, dann wurde Geld auf Papier gedruckt und war bald in weit größerem Umfang im Umlauf als Gold vorhanden ist, und als Geld digital wurde, ist es in noch viel größerem Umfang im Umlauf als alles Papiergeld je wird sein können. Gleichzeitig gibt es Warnungen, dass du genannte künstliche Intelligenz gefährlicher sein kann als der Rechtsruck, als ein möglicher Dritter Weltkrieg, als der Klimawandel. Ich stellte für mich fest, dass wir Menschen zwar nicht zwangsläufig auf moderne Technik und Entwicklungen verzichten, sie sogar weiter vorantreiben sollten, dass wir aber gleichzeitig in jeder Situation das für diese möglichst primitive Mittel wählen, also zB Entfernungen bis zu zwei Kilometern zu Fuß gehen und schnelle Fortbewegung über größere Distanz möglichst per Zug statt Auto usw. Das soll nicht heißen, dass das Auto eine schlechte Erfindung ist - es gibt zahlreiche sinnvolle Anwendungen dafür, aber die häufige tägliche Anwendung gehört in den meisten Fällen nicht dazu und verlangt nach primitiveren Alternativen. Hierbei ist die Fortbewegung nur exemplarisch; selbstverständlich lässt sich dies auf alle anderen Bereiche des Lebens ausdehnen, zB auf Unterhaltung, auf Kommunikation und auf Informationsbeschaffung, alles Bereiche, in denen ich mich selbst fragen muss, ob ich immer das möglichst primitive Mittel nutze.
Mein hochbetagter Freund wollte eines Abends von mir erfahren, was ich noch an Projekten vorhabe, was mich dazu brachte, einige Aspekte noch einmal neu und konkreter zu formulieren. Abgesehen von der Velo-Proa, die als Vehikel dazu führen kann, möchte ich gerne eine Art Langzeitexperiment machen, eine Erfahrung radikaler ökologischer Integration auf absoluter Augenhöhe - fernab von anthropozentrischer Distanz, Domestikation oder Futter-Konditionierung. Im Gegenteil würde ich sogar eine Futterstelle explizit in Entfernung zu mir einrichten, so dass gewährleistet sein kann, dass die Tiere in meiner Nähe bereits satt sind. Ich möchte dann nicht einfach nur Beobachter sein, sondern zB mit menschlichen Ausdrucksformen wie Tanz und Gesang, spezifischen Ansprachen und dem Erlernen lokaler Signalsprachen über viele Wochen als festes, berechenbares Subjekt in die Umwelt einzuweben versuchen. Die feine Mikrosprache der Ökosysteme, die zB aus leisen Kontaktlauten, physiologischen Entspannungssignalen, geteilter Aufmerksamkeit und respektvoller Raumdistanz besteht, möchte ich wahrnehmen und anzuwenden üben. Dabei möchte ich Respekt vor der autonomen Agency wahren: Das Vorhaben lässt den wilden, eigenständigen Geist des Gegenübers (wie den „rabentypischen Geist“) unberührt. Das Ziel ist kein Abrichten oder Zähmen, sondern das Aushandeln einer freiwilligen Schnittstelle. Ich hoffe, dass ich so u.a. biologische Verwandtschaft erfahren kann, am eigenen Leib und im täglichen Austausch erprobend, also dass gegenseitige Wahrnehmung, echtes Interesse und Interspezies-Reziprozität auf einem gemeinsamen biologischen Kontinuum möglich sind. Falls möglich, möchte ich all dieses dokumentieren und darüber publizieren, möglicherweise, bei stimmigen Bedingungen, diese Erfahrungen und Dokumentationen auch akademisch anschließen und auswerten, doch nicht um jeden Preis.
Mittlerweile ist Dienstag, 15. September, die eine Doppelschicht ist vorbei, aber ich bin immer noch nicht fertig damit, die Gedanken zu notieren, die ich zB für später festhalten möchte.
Mir kam nämlich noch ein zunächst eher amüsanter Gedanke, als ich mit meinem hochbetagten Freund in der Kathedrale von St. Dénis war und über den "heiligen" Dionysius gelesen habe, dass er u.a. mehrere Tage ohne zu sterben am Kreuz gehangen haben und zuletzt enthauptet worden sein soll, wobei er angeblich zwei Meilen mit seinem Kopf in der Hand den Montmartre hinauf gewandert sein soll. Jesus wurde schon nach wenigen Stunden vom Kreuz abgenommen, nachdem ein römischer Beamter seinen Tod festgestellt haben will. Was, wenn er gar nicht tot, die ganze Sache mit seinen Jüngern abgesprochen war und er mit deren Hilfe untertauchen konnte? Paulus schreibt, man sei unbedingt nur dann Christ, wenn man die Auferstehung für wahr hält. Aber wer ist Paulus? Ein Wichtigtuer, der nichts mit Jesus und seinen Jüngern zu tun hatte, aber maßgeblich den christlichen Glauben formen wollte, ein Intellektueller, der es verstand, die Formulierungen über Jesu tot so zu forcieren, dass ein Überleben höchst unwahrscheinlich wird und letztlich nur die Auferstehung für sein späteres Erscheinen übrig bliebe. Das Christentum war dabei zunächst nur ein Lokalphänomen meist im Untergrund, das erst dadurch, dass die politische Macht mit ihren exekutiven Organen sich seiner annahm, an Bedeutung und Reichweite bis heute in alle Welt erreichen konnte. Es wird mehrere vergleichbare Phänomene gegeben haben, um die keine Konzile abgehalten wurden und die deswegen heute in Vergessenheit geraten sind. Mit dem Christentum wird heute letztlich nur einer Doktrin gehuldigt, die lose an wenigen historischen Daten anknüpft, aber massiv aufgebauscht und verfremdet ist und mit Macht verbreitet wurde. Letztlich trifft dies aber auf alle anderen Weltreligionen genauso zu, auf den Islam genauso wie auf den Buddhismus oder Hinduismus usw.
Außerdem möchte ich mich noch einmal hier selbst anklagen dafür, dass ich unzähligen Frauen auf ihre Brüste, ihre sich abzeichnenden Brustwarzen gestarrt habe. Möglicherweise ist dies eine Art Modeerscheinung dieser Tage in Frankreich, sich so zu kleiden, und es ist ja auch vollkommen legitim und sogar begrüßenswert, nur halte ich es für unangebracht, die eigenen lüsternen Reaktionen darauf nicht in Zaum halten zu können.
Zuletzt möchte ich nur noch festhalten, dass durch den Komplex aus Trump, Iran, Hormuz, Öl und Märkten meine finanziellen Aussichten letzte Woche etwas in Schieflage gerieten, teils schmerzlich, aber noch nicht bedrohlich, und dass ich dabei hoffentlich die eine oder andere Lektion gelernt habe.
Jetzt aber.
Soweit...
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