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Kynosarges 2618

Es ist Donnerstag, 15. Oktober am Nachmittag, und ich sitze bei der Arbeit in einer Bereitschaftspause. Auch wenn ich hier wohl keinen Eintrag fertig gestellt bekomme, möchte ich dennoch beginnen, zum Einen, weil ich nicht wieder so viel Zeit verstreichen lassen will, zum Anderen, weil es aktuelle Elemente gibt, die mich mein Roman-Projekt von vor zwei Jahren wieder aufgreifen lassen. 
Aber keine Sorge, es ist nichts Außergewöhnliches bzw. Schlimmes passiert, lediglich alltägliche Stolperfallen und sonstige Situationen, die mir neue Gedanken anregen, teils kreativ, teils, um die Situationen verarbeiten zu können, sie vielleicht sogar heilsam zu entwickeln. 
Als ich heute Morgen die Schicht übernahm, war die Klientin durch äußere Gründe noch mitten in der Morgenroutine: Das Warmwasser war die Tage gestört und erst kurz vor meiner Ankunft wieder instand gesetzt worden. Ich machte mit meinem Kollegen einen fliegenden Wechsel und fragte die Klientin, wie weit er mit ihr gekommen sei. Statt mir eine hilfreiche Antwort zu geben, schnauzte sie mich an, dass das zu einem Übergabegespräch mit dem Kollegen gehöre. Und als der Kollege sich dann, als ich mit ihr zugange war, meldete, dass er noch geschwind die Kaffeetassen vom Morgen spülen würde, schnauzte sie mich gleich noch einmal an, warum ich nicht meinem Kollegen antworte. Ich sagte zu ihm, dass er sie stehen lassen und ich mich gleich darum kümmern könne und murmelte, dass er ja eigentlich mit ihr gesprochen hatte und dass seine Aussage gar keine Frage enthielt. Bereits die vorherigen zwei Dienste hatte ich immer wieder den Gedanken - oder anders gesagt: Schon seit ich die Klientin kenne, weiß ich, dass sie in Schulbildung und Entwicklung von Intelligenz benachteiligt war, ich hatte den Dunning-Kruger-Effekt auch schon hier angesprochen, aber seit zwei oder drei Diensten poppt mir inzwischen ganz konkret und explizit der Gedanke auf, dass es zu nichts führt, mit einem IQ unter 90 diskutieren und auf Verständnis hoffen zu wollen. Natürlich kommt der Gedanke zunächst quasi automatisch Hand in Hand mit einem überheblichen Sich-besser-fühlen, Häme, aber auch das hilft ja nichts. Drei meiner Kollegen stoßen regelmäßig an Grenzen im Umgang mit ihr, neben demjenigen Kollegen, der mit auf Teneriffa dabei war, noch zwei weitere, die seit etwa einem Jahr im Team sind und über die sie sich inzwischen fast jedesmal negativ äußert, teils auf ausgesprochen unflätige Weise. Einer dieser Kollegen suchte neulich das Gespräch mit mir und bat mich um Rat, insbesondere wegen der häufigen Wahrnehmungsverschiebungen der Klientin, durch die öfters verkehrte Geschichten, teils sogar gefährlich verkehrt, in Umlauf kommen und wovor er sich gerne schützen möchte. Wir sprachen darüber, uns als Kollegen bald mal wieder zusammenzusetzen, insbesondere, um zwei neue Kollegen ins Boot zu holen, die seit zwei Monaten da sind und die von ihr noch in den höchsten Tönen gelobt werden (wie die zwei von vor einem Jahr anfangs genauso), und sich für schwierige Situationen und Falschaussagen zu wappnen. Für eine solche Besprechung suche ich daher also nach einer Formulierung, die zwar inhaltlich den angenommenen IQ von unter 90 explizit aufs Tableau bringen kann, einschließlich allem, was für unsere Arbeit, insbesondere Kommunikation, für uns dabei geboten ist, die gleichzeitig aber Verächtlichmachen der Klientin explizit vermeidet, denn sie trifft ja keine Schuld und wir als diejenigen, die ihr assistieren wollen, müssen einen geeigneten Weg dafür finden und können zB nicht erwarten, rational und logisch zu argumentieren wie zB untereinander. 
Langer Rede kurzer Sinn: Für mein Roman-Projekt möchte ich einige solche Situationen schildern, die beim Protagonisten und auch beim Leser Unverständnis, Irritation, teils sogar Häme auslösen - meine vorherigen Entwürfe würde ich dann noch etwas überarbeiten - , und dann aber den Protagonisten geistig wachsen lassen, dass er zunächst Verständnis, dann Mitleid, Empathie sowohl für die Klientin als auch für den ehemaligen Langzeitgast entwickelt und sich ihnen schließlich voll Nächstenliebe zuwendet. Dass sie sich gelegentlich sehr gewaltvoll äußert, explizit davon spricht, dass sie den einen oder anderen Kollegen gerne schlagen würde, bis er blutet, in der Hoffnung, dass ihm dadurch die Augen geöffnet und er seine Arbeit besser verstehen würde, sind da literarische Mittel, die sich gut verarbeiten lassen. Gleichzeitig steckt sie in einem Korsett voller Wut - IQ unter 90, Wut weit über 180, das könnte verstörende Passagen bringen, die sich im Handlungsverlauf wieder auflösen lassen. Überwiegend habe ich schöne, entspannte Zeiten mit der Klientin, möglicherweise auch, weil ich einen geeigneten Umgang mit ihr finden konnte.
Inzwischen ist Samstag, 17. Oktober, und ich sitze nun doch wieder im Zug, dieses Mal auf dem Weg zu meiner Mutter mit Umweg über Ulm, denn dort will ich ein die Tage im Zug vergessenes Gepäckstück einsammeln oder zumindest auskundschaften, wie ich es wiederbekommen kann, denn das Fundbüro ist heute geschlossen. Nachtrag: Am Infoschalter wurde ich barsch abgewiesen; ich muss das ausschließlich mit dem Fundbüro klären. 
Den letzten Eintrag schrieb ich am 07. Oktober nachts fertig, am Arbeitsplatz, während die Migräne, die mich tagsüber geplagt hatte, langsam am Abklingen war. Am darauffolgenden Tag ging dieser Dienst gut zuende und ich fuhr im Abschluss noch für sechs Stunden vertretungsweise zu einer anderen Klientin, bei der ich gelegentlich schon für Vertretungen war, und ließ den Tag gemütlich ausklingen. 
Freitag, 09. Oktober, holte ich mein Kind von der Schule ab und machte auf dem Hin- und Rückweg noch eine Besorgung für die Klientin der Vertretung vom Vortag. Ich hatte die Krankenkassenkarte der Klientin dabei und sollte diese bei einem Arzt vorlegen für ein Rezept und ihr danach die Karte zurückgeben, auf diesem Rückweg dann mit meinem Kind dabei. Danach ging ich mit meinem Kind Asianudeln essen und dann in die Bibliothek, um nach Büchern und Spielen zu suchen, dann gingen wir nach Hause, spielten etwas, auch am folgenden Tag, und schauten eine ganze Staffel einer neuen Anime-Serie. Sonntag war wieder Theaterprobe, danach spielten wir wieder, dann wurde mein Kind abends wieder von seiner Mutter abgeholt. 
Montag, 12. Oktober, hatte ich wieder eine Schicht, die ohne besondere Vorkommnisse verlief, am Dienstag fuhr ich direkt danach zu meiner Mutter, um ihr bei einigen Dingen zu helfen und um Mittwoch von ihr aus weiter in die Schwäbische Alb zu fahren und dort den Notartermin bezüglich der Vereinsvorstandschaft wahrnehmen und danach noch ein Stündchen mit der vorherigen Vorsitzenden verbringen und mich von ihr bei Kaffee und Kuchen instruieren lassen zu können. Auf der Rückfahrt von dort nach Hause gab es durch Verspätung einen sehr knappen Umstieg, bei dem ich aus dem einem Zug heraus und in den nächsten Zug hinein hetzte. Erst dann fiel mir auf, dass ich meinen Rucksack auf der Gepäckablage des vorherigen Zuges liegen gelassen hatte und dieser Zug bereits in Richtung Ulm abgefahren war. Über das Internet fand ich sowohl ein Formular, über das ich eine Verlustmeldung bei der Bahn einreichen konnte, als auch eine Telefonnummer, eine der 3S-Zentrale in Stuttgart, über die ein Kontakt nach Ulm hergestellt und ein Begehen des Zuges, um mein Gepäck einzusammeln, organisiert werden konnte. Mein Rucksack war also wieder in Sicherheit. Ich konnte meine Fahrt nach Hause aber nicht unterbrechen, da ich am Folgetag einen Arbeitseinsatz hatte. 
Während jenes Arbeitseinsatzes begann ich diesen Eintrag. Zu dieser Schicht hatte ich mich bereits geäußert, das Bild ist aber dadurch stark verfälscht. Tatsächlich war die Schicht sehr angenehm: Wir waren bei über 20 Grad Wärme eine ganze Weile draußen spazieren mit dem Hund, gingen auf einen Markt, und hatten abends ein ausgedehntes Treffen mit Freunden der Klientin in einer nahegelegenen Gastronomie. Der Tag war rundum gut gelungen. Am nächsten Morgen, nun Freitag, 16. Oktober, hatte sie früh einen Termin für Anpassungen an ihrem Rollstuhl, war nervös, ob ich die Morgenroutine rechtzeitig schaffen würde, äußerte sich öfter auch ungehalten, aber schließlich gelang es uns, so zügig fertig zu werden, dass sie sogar noch komfortabel mit ihrem Partner frühstücken konnte, bis die Rollstuhltechniker kamen. Fast sieben Jahre Arbeit bei ihr sollten sich ja schließlich in der Geschmeidigkeit meiner Abläufe bemerkbar machen...
Während der Arbeit, bereits am Donnerstag, bekam ich eine Couchsurfing-Anfrage für Freitag, und nachdem ich mich nach der Arbeit ausführlich in der Stadt und zuhause entspannt, dabei auch meine Wohnung halbwegs für den Gast vorbereitet hatte, kam er abends zu mir, ein Mann etwa meiner Generation, der sich intensiv mit Glaubensfragen beschäftigte und deswegen aus der Kirche als Institution ausgetreten war, von der er sich im Glauben nicht vertreten fühlte, sich lieber mit freieren Gruppen über den Glauben austauschte. Wir unterhielten uns noch eine Weile über allgemeine und Glaubensfragen und setzten am nächsten Morgen beim Frühstück in einem Bahnhofscafé das Gespräch fort, dann trennten sich unsere Wege, er ging zu seiner religiösen Gruppe, ich nahm den Zug zu meiner Mutter bzw. eigentlich ja zunächst nach Ulm. Mal sehen, was sich dort ergeben wird. Er hatte sich vor einigen Jahren auf Kreta neu als Erwachsener taufen lassen, insofern war es ein interessanter Zufall, dass ich Montag mit meiner Mutter nach Kreta reisen werde. 
Die Gespräche mit ihm brachten mich zu einem Thema, das ich die Tage mehrmals schon bewegt hatte. Im letzten Eintrag schloss ich mit Bemerkungen über den Islamismus, über den ich mir, angefacht durch Social-Media, einige Sorgen gemacht hatte: Der vor wenigen Jahren wieder heftig aufgeflammte Nahostkonflikt spülte mir Debatten in meine Aufmerksamkeit, in denen es darum ging, ob und inwiefern der Staat Israel und seine Regierung kritisiert werden dürfe. Selbstverständlich ist das zulässig, wenn allerdings Israel selektiv für Dinge kritisiert wird, die man bei anderen Staaten unkritisch hinnimmt, wird es problematisch, und wenn man das Existenzrecht infrage stellt, sowieso. Wenn man das militärische Vorgehen kritisiert, ist das meinetwegen akzeptabel; wenn man dabei jedoch mit höchstproblematischen Anschuldigungen um sich wirft, Genozid und Apartheid, die sich beide einwandfrei widerlegen lassen, gleichzeitig die zweifellos terroristischen Aktivitäten der Gegenseite ignoriert oder gar in Schutz nimmt, als "Gays for Gaza" mit Segelbooten nach Palästina fährt und nicht sieht, dass ebendiese Palästinenser einen deswegen vom Dach werfen würden, wird man von mir nicht mehr ernst genommen. Zweifellos ist der Konflikt insgesamt schlimm, und zweifellos leiden und sterben viel zu viele Menschen, aber selbst wenn derzeit in Israel eine problematische rechtsradikale Regierung sitzt, ist der Terror-Moloch auf der Gegenseite um Welten schlimmer und, weil er auf unzählige Friedensangebote mit Gewalt geantwortet hat, macht dies vielleicht erforderlich, die Region mit Gewalt zu befrieden, selbst wenn dies bedauerlicherweise 80% zerstörte Häuser und 4% getötete Bevölkerung zur Folge haben kann. Der Status Quo ist nicht hinnehmbar. 
Jedenfalls kamen mir in diesem Zusammenhang auch Umfrageergebnisse zur Kenntnis, laut denen selbst unter gemäßigten, gut integrierten Muslimen in Deutschland sich etwa 60% für die Einführung der Scharia in Deutschland aussprechen würden, und schließlich recherchierte ich konkreter über den Koran und stellte fest, dass Mohammed ein Warlord war und explizit zum Dschihadismus, zum Töten von Nicht-Muslimen aufgerufen, eigenhändig Menschen enthauptet, Frauen und Kinder misshandelt hat, auch sexuell, und von der muslimischen Welt als der vortrefflichste aller Menschen verehrt und als Beispiel genommen wird. Außerdem wird beansprucht, dass es sich beim Koran nicht etwa um von Menschen durch göttliche Eingabe inspirierte und formulierte Texte handelt, sondern um das unmittelbare Gotteswort, was es problematisch macht, den Islam friedlicher auszulegen, denn während man einem christlichen Gewalttäter eindeutig seinen Widerspruch zu Jesus aufzeigen kann, kann ein muslimischer Gewalttäter seine Gewalt unmittelbar aus dem Koran rechtfertigen und islamistische, wahabistische Zellen können jederzeit selbst in der friedlichsten Wohlstandsgesellschaft entstehen. Nachdem ich mich selbst so weiter und weiter in Sorge getrieben hatte, half mir schließlich, dass es seit über tausend Jahren mehrere Milliarden Muslime gab und gibt, die in der sehr sehr großen Mehrzahl vollkommen friedlich mit ihren Mitmenschen leben, dass also die Grenzen meiner Toleranz, Karl Popper möchte ich hier anführen, sich höchstens auf wenige Ausnahmen beziehen. Dennoch frage ich mich weiterhin, ob man einer tief im Mark gewaltvollen Ideologie beim Aufstieg helfen soll, und auch wenn ich keine kreuzzüglerischen Impulse in mir verspüre, halte ich es für richtig und geboten, diese Ideologie sinnvoll zu begrenzen. Sie findet im Westen vor allem auch deswegen Zulauf, weil sie ehrlicher und glaubwürdiger Werte vermittelt und Halt gibt. Das Christentum, der Humanismus und die freiheitlich demokratische Grundordnung haben an Strahl- und Überzeugungskraft verloren, so dass der Islam dieses Vakuum dankbar füllen kann. Ich las eine Anekdote über eine alleinerziehende Mutter mit einem kleinen Kind, die in finanziellen Schwierigkeiten christliche Träger um Hilfe für ihr Kind, für Essen und Windeln, bat, abgewiesen wurde, zu einer Moscheegesellschaft ging und dort bereitwillig alles bekam, was sie brauchte. Solche Erfahrungen bleiben nicht ohne Wirkung, und der politische Islam mit seinem Geld in der Türkei und in Arabien weiß das natürlich und unterstützt dies gerne, leise, unauffällig, aus dem Hintergrund, bis aus einer Minderheit eine Mehrheit wurde. Aus dem Vereinigten Königreich gibt es immer wieder unschöne Nachrichten, zumindest ist mein Algorithmus in Social-Media inzwischen so eingestellt, dass ich häufiger von solchen erfahre. Aber auch unabhängig davon lässt sich beobachten, dass zB in Nigeria, lange Zeit ein Land mit eindeutig christlicher Mehrheit, inzwischen eine muslimische Mehrheit hat, die in einigen Regionen bereits die Scharia eingeführt hat und dies wohl weiter vorantreibt. Meine Sorge ist also wohl nicht grundsätzlich unbegründet. 
Wenn ich mich mit Problemen konfrontiert sehe, ist mein erster Impuls, konfrontativ darauf zu reagieren, meine ersten Ideen sind also tendenziell kämpferischer, manchmal sogar eliminatorischer Natur, doch schnell finde ich zu friedlicheren Alternativen. Wenn ich also zunächst verspürte, die Moschee in meiner Nachbarschaft mit polemisch-provokativen Auszügen aus dem Koran auf Flugblättern zu überziehen, in einer Nacht-und-Nebel-Aktion, denke ich nun, dass sich zu offenen Gesprächskreisen zu philosophischen, weltanschaulichen und Glaubensfragen zu treffen mit dem Ziel, gute Werte zu besprechen und zu pflegen, sich gegenseitig wahrzunehmen und zu unterstützen und so ein stabiles, überkonfessionelles Miteinander zu schaffen, glaubwürdig, verlässlich, und peinlich darauf zu achten, dass es von keiner Religion gekapert, einverleibt, die Mitglieder missioniert werden, eine wesentlich bessere Alternative sein würde. Dies könnte im Umfeld der Schule meines Kindes entstehen, unter Eltern, Lehrern, Schülern, wo ich mich ohnehin einbringen wollte, könnte den nahegelegenen MakerSpace irgendwann einbeziehen, auch die Universität, und wenn es sich arrangieren lässt - zumindest fühlt sich der Gedanke gut an - könnte ich daraus dann auch mein Unternehmen entwickeln, von dem ich im Frühjahr noch so viel geschrieben und dann so viel darüber geschwiegen habe. 
Die Tage war ich ja öfter in verschiedenen Bahnen unterwegs und einige Beobachtungen und Gedanken möchte ich hiervon noch anführen: In einer Bahn saß mir ein junger Mann gegenüber, der einen Arm verkürzt und wahrscheinlich nicht vollständig beweglich, dafür mit sieben Fingern an der Hand ausgebildet hatte, die etwas kleiner waren als die fünf in vermuteter Normalgröße an seiner anderen Hand. In Anlehnung an den letzten Blogeintrag dachte ich, dass in der "Welt der Siebenfingrigen" die "Fünffingrigen" schnell Nachteile, vielleicht sogar Probleme bekommen können. Dies erinnerte mich also daran, das Gewohnte, Gegebene, nicht immer automatisch als Norm zu setzen. In einem anderen Zug war ein junges Pärchen in Sichtweite, vielleicht 14, 15 Jahre alt, in Austausch von Zärtlichkeiten vertieft und mich damit daran erinnernd, dass dies etwas war, was meine ganze Jugend bis ich 20 war nicht vorkam in meinem Leben, obwohl ich es mir doch sehr gerne gewünscht hätte, und in noch einem anderen Zug saßen zwei weitere Jugendliche, vielleicht 17, 18 oder 19, sie kannten sich wohl aus der Schule oder aus anderen Zusammenhängen, wo sie sich wohl üblicherweise nicht miteinander austauschten, denn sie sprachen miteinander so, als würden sie sich bei diesem Gespräch erst näher kennen lernen (vielleicht waren sie in verschiedenen Altersstufen, sie in der Abschlussklasse, er seit einem oder zwei Jahren aus der Schule) und tauchten bei diesem Gespräch in erstaunliche philosophische Tiefen, dass ich als unfreiwilliger Zuhörer an mehreren Gesprächspunkten große Lust hatte, das Thema aufzugreifen und mit ihnen weiterzuentwickeln. Insbesondere die weibliche Jugendliche hätte man so einschätzen können, dass sie viel Zeit damit verbringt, durch Tiktok zu scrollen oder sich durch Spotify in den Ohren von der Umwelt abzuschotten - eins von beiden tat sie unmittelbar nachdem ihr Gesprächspartner ausgestiegen war, der eher den Eindruck eines permanenten Grüblers machte, der nur wenig Zeit online verbringt - und war durch ihre teils tiefen philosophischen Antworten für mich eine hoffnungsvolle Überraschung. Wer weiß, was sonst noch alles gedanklich stattfindet, wo oberflächlich Tiktok überhand genommen hat. Auch deswegen habe ich durchaus Hoffnung, dass aus meinem offenen Gesprächscafé etwas werden kann. Eigentlich hängt es ja nur von mir ab, ob ich es auf die Beine gestellt bekomme, und weil ich mich kenne, sehe ich, dass ich mir dafür ein, zwei verlässliche Mitstreiter suchen sollte, die mir helfen, verbindlicher und strukturierter an die Sache heranzugehen.
Ulm ist inzwischen ganz in der Nähe, doch die Fahrt war vergeblich. Den restlichen heutigen Tag werde ich zunächst bei meinem hochbetagten Freund in Stuttgart zur Klärung einiger offener Punkte aus unserer Frankreichfahrt und später abends und am morgigen Tag bei meiner Mutter verbringen, ihr bei der einen oder anderen Sache helfen, dann mit ihr am Montag, 19. Oktober, nach Kreta fliegen mit der Option, dort einen Mietwagen zu nehmen, und am 28. wieder zurückzukommen, dann mit meinem Auto durch die Nacht wieder zu mir nach Hause fahren, am 29. eine Schicht arbeiten, am 30. danach wieder zu meinem Boot fahren, hoffentlich erfolgreich den Motor in Bewegung bringen und dann hoffentlich bis in die Camargue fahren, dann am 05. November wieder arbeiten, am 08. in einer Doppelschicht, am 16. ebenfalls in einer, am 23., am 25. und am 30. jeweils in einer für 24h, am 13. und am 20. jeweils ein Wochenende mit meinem Kind verbringen und dazwischen schauen, was sich sonst noch ergibt. Der November ist meistens ein trüber, kalter Monat. Vielleicht wird er das für mich nicht jeden Tag sein. 
Soweit...

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