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Kynosarges 2503

Heute am 27. Februar abends am Anfang einer 40h-Schicht (von 19:00 heute bis 10:30 am Samstag sind es rechnerisch 39,5h) möchte ich über die vergangenen zwei Wochen zurückblicken, vor allem aber gleich zu Beginn festlegen, was mir die letzten drei Tage klar geworden ist: Mein Langzeitgast muss zum Wochenende gehen: Samstag Mittag kassiere ich die Schlüssel ein und gebe ihm bis Sonntag 18:00 Uhr 30h Zeit meine Wohnung zu verlassen. Gleichzeitig sage ich seinen Eltern Bescheid, damit sein Onkel ihn ggf. einsammeln kann. Für den Notfall könnte er noch bis Montag früh ausharren, aber für meine nächste Tagesschicht am Montag muss er draußen bleiben - nach dem angekündigten Rauswurf lasse ich ihn nicht mehr ohne meine Aufsicht in meiner Wohnung sein. 
Die Tage seit dem letzten Eintrag möchte ich möglichst kurz zusammenfassen: Am 12. Februar nach der Arbeit hatte ich beinahe zehn Tage frei. Die ersten beiden verbrachte ich überwiegend zuhause, wobei für den 12. direkt eine neue Situation mit meinem Langzeitgast aufkam: Als ich mittags von der Arbeit nach Hause kam, stand meine Wohnungstür offen. Mein Nachbar von oben hatte mir bereits mitgeteilt, dass er diese schon öfter und für längere Zeit offen stehen gesehen hatte, aber mein Langzeitgast meinte, das sei jeweils nur für kurze Zeit so während er eine Zigarette rauchen sei oder so. Im Laufe des Nachmittags versuchte ich den Schornsteinfeger zu erreichen, der eine Notiz an die Haustür geklebt hatte, dass er, wie ich dachte, am 19. kommen wollte, während ich an jenem Tag schon in Süddeutschland sein wollte, denn ich wollte deswegen seinen Termin verschieben. Während ich mit ihm per SMS um einen neuen Termin verhandle, ruft er mich plötzlich an: ob ich der und der sei...? Dann erübrige sich das mit der Terminsuche, er sei bereits am Morgen da gewesen, habe die Wohnungstüre offen vorgefunden und habe bereits die Gastherme untersucht, danach die Tür wieder angelehnt. Also hatte mein Langzeitgast mindestens seit morgens die Türe offen gelassen und in meinem Wohnzimmer schlafend nicht einmal bemerkt, dass eine fremde Person die Wohnung betritt und an der Heizung hantiert. Ich bedankte mich beim Schornsteinfeger und war schon wieder wütend auf meinen Langzeitgast und stellte ihn zur Rede - nein, er habe nichts bemerkt. Die Küche war natürlich wieder versaut und ich forderte ihn auf, bis zum Freitag, Valentinstag, wenn mein Kind zu mir kommt, wieder Ordnung zu schaffen. Einigermaßen tat er das dann.
Mit meinem Kind gab es ein Treffen mit seiner Mutter und Großmutter für ein gemeinsames Abendessen in einem netten Restaurant - die Großmutter hatte eingeladen. Danach war ich mit meinem Kind bei mir und wir verbrachten das Wochenende wie üblich mit Spielen, Film und Sonntag Schwimmbad. Was mich besonders freute, war, dass eine Doku-Serie über ein Segelprojekt, das meinem eigenen sehr nahe kommt, bei meinem Kind großen Anklang fand. Leider kamen wir nicht dazu, obwohl wir drauf und dran waren, es zu tun, einen ersten Modellversuch meiner Velo-Proa zu basteln.
Montag hatte ich frei, Dienstag kam eine Technikerin für meine Wohnung, die die Rauchmelder überprüfen und dafür auch mein Wohnzimmer betreten musste, wofür ich meinen Langzeitgast ohne Hemmungen aus dem Schlaf scheuchte. Nachdem dies erledigt war, machte ich mich auf den Weg, um meine Mutter in Süddeutschland zu besuchen und um einen Ausflug zum Bodensee zu machen und auf dem Weg dorthin dem Erbschafts-Anwalt der Witwe meines Vaters einen unangekündigten Besuch abzustatten, nachdem er die Woche davor auf meine Telefonate hin versprochen hatte, mir wichtige Dokumente zu schicken, was er allerdings bis dahin noch nicht getan hatte. Die Dokumente bekam ich in Kopie, doch die Zahlen ergaben für mich wenig Sinn, stimmten an mehreren Stellen nicht überein; hier würde ich mich noch einmal kümmern müssen, außerdem muss ich darauf achten, dass sich das Zeitfenster für meinen Anspruch nicht schließt - dass der Anwalt damit spielt, sehe ich als klare Möglichkeit. Außerdem traf ich einen Freund, der mich im August mit seinem Solar-Velomobil besucht hatte, und wir tauschten uns ausführlich aus über verschiedene technische und persönliche Belange, vor allem in Bezug auf meine Velo-Proa. Da er mitliest: Vielen Dank und viele Grüße!
Von meiner Mutter wieder zu mir nach Hause zurückgekehrt Freitag Abend hatte ich mein Kind erneut, und erneut spielten wir viel und schauten weitere Episoden der Segler-Doku, dazu noch gingen wir Freitag Vormittag endlich wieder einmal in den Skatepark und stellten fest, dass mein Kind nach anfänglichen Unsicherheiten noch ganz genauso gut und flink inlineskaten konnte wie im letzten Jahr. Direkt im Anschluss gingen wir auf einen vorgezogenen Karnevalsumzug, sammelten Süßigkeiten und suchten die besten und lustigsten Kostüme. Wir einigten uns darauf, dass ein Alien, der seinen Kostümträger entführte, das lustigste Kostüm war und brachten wohl durchaus 5-10kg an Süßigkeiten nach Hause, die wir dann gerecht verteilten. Sonntag waren wir nach der Stimmabgsbe zur Bundestagswahl, für die wir zuvor den Wahl-o-Mat gemacht hatten, wieder im Schwimmbad - seit dem Wochenende davor tauchte mein Kind bis zu zwei Meter tief, um Ringe hoch zu holen, übte sich im Paketsprung, zu deutsch "Arschbombe", lernte unter Wasser die Augen zu öffnen und einige Bahnen zu schwimmen, neben viel anderem Spaß mit Rutschen usw., doch für das nächste Schwimmabzeichen, den Seeräuber, fühlte sich mein Kind noch nicht bereit: "technikgetechtes" Brustschwimmen war noch zu anspruchsvoll. Kein Problem, das wird schon. 
Montag war wieder ein Arbeitseinsatz, reibungslos ohne Zwischenfälle, Dienstag kam ich davon zurück und fand eher zufällig nachmittags meinen Langzeitgast im Keller - er hatte sich wieder einmal ausgesperrt und möglicherweise sogar die Nacht dort verbracht, denn mein Nachbar über mir hatte ihn schon früh am Morgen dort gesehen. Mich verwunderte vor allem, warum er meine Geige bei sich hatte. Schon als im Herbst sein Besuch mit meiner Geige zugange war, hatte ich ausdrücklich darum gebeten, meine Musikinstrumente in Ruhe zu lassen - was sollte nun das? Hatte er womöglich vor, meine Geige zu verkaufen, um sich von dem Erlös Essen und Drogen kaufen zu können? Ich war schon wieder sauer, ging in mein Wohnzimmer und stellte fest, dass auch andere Instrumente von mir angefasst worden sein mussten - immerhin waren alle noch da. Er versuchte mir als Begründung zu sagen, dass er einen Bekannten habe, der so gerne Geige spiele - aber doch nicht einfach meine, ohne mich zu fragen!? - verdammt!
Am Abend, und auch am Folgeabend, ging ich in die Stadt, um wieder einmal Sandwiches zu verteilen, und sah am zweiten dieser Tage meinen Langzeitgast in der Fußgängerzone - und er hatte schon wieder meine Geige dabei! Ich fuhr ihn an, er solle die sofort wieder nach Hause bringen, musste aber dann weiter zur Verteilung. Meine Begleitung war die gleiche wie damals, als wir der Dame mit dem Zelt im Wald begegnet waren, und sie zeigte sich ziemlich verwundert über die Begegnung mit meinem Langzeitgast. Für mich stand in jenem Moment fest, was ich davor schon stark angedacht hatte: Nach meinem jetzigen Arbeitseinsatz muss er raus, wie oben angekündigt. Er gab mir später als Erklärung, er habe nur den leeren Geigenkasten nach draußen genommen gehabt, um damit einen "Musiker mit Geldsorgen" zu mimen, um nicht für einen schnöden Bettler gehalten zu werden, wenn er Leute nach Geld fragte. Auch wenn das durchaus eine schlaue Taktik war, wollte ich das nicht weiter zulassen und nahm die Geige samt Kasten zu mir ins Schlafzimmer, wo sie in diesem Moment sicher verschlossen liegt.
Wenn ich meinen Langzeitgast endlich losgeworden sein werde, würde ich hoffentlich die 5-Minuten-Projekte wieder besser aufgreifen können. In den Tagen vor meiner Süddeutschlandreise hatte es einigermaßen geklappt, in denen danach weniger, da war wieder die Lethargie übermächtig. Zwei Punkte sehe ich, an denen ich direkt eine spürbare Änderung würde wahrnehmen können, nämlich die Situation meiner Bücher und die meines Kleiderschranks, und von da an geht es mit anderen weiter, da möchte ich gern zuversichtlich sein. Die Kreativität suchte sich einen kleinen Weg in Bezug auf die Velo-Proa, neue Skizzen sind entstanden, doch mit dem kleinen Modell aus Korken und Zwiebelnetz wie auch mit dem größeren aus Messeflaschen und Katzennetz kam ich nicht auf den Weg, vor allem, weil ich noch keinen guten Einfall hatte, wie ich die Netze derart aufeinander legen kann, dass ich zuverlässig die gleichen Maschenreihen miteinander vernähen kann ohne bei jedem einzelnen Nähstich neu die Reihen sortieren zu müssen. Mir kam als Idee, die Reihen über eine an zwei Kanten sägezahnbeschnittene Pappe zu spannen - in diesem Moment kommt mir die Idee, eine Art Rahmen mit Stiften für die jeweils vor und hinter der zu nähenden Reihe zu benutzen, die Idee entwickelt sich weiter, vereinfacht sich: Warum nicht in die Reihe davor und dahinter einen Stab einfädeln, beide gegeneinander verspannen und dann einfach durch die mittlere Reihe nähen. Das klingt sehr einfach, so mache ich es. 
Inzwischen ist der 28. morgens, ich war beim Schreiben eingeschlafen. Ausblickend über die nächsten zwei bis drei Wochen wird es nach dem Rauswurf meines Langzeitgastes Montag eine kurze Tagesschicht geben, abends steht eine Einladung bei Bekannten, ab Dienstag könnte ich bis Freitag wieder nach Süddeutschland, ab Samstag dann bin ich über eine Woche mit der Arbeit in Norddeich, nach diesem Einsatz habe ich bis fast zum Monatsende frei, da könnte ich mein Boot in Bewegung bringen, allerdings hat in diesem Zeitabschnitt auch mein Kind Geburtstag, am letzten März-Wochenende ist es bei mir. 
Soweit...

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