Direkt zum Hauptbereich

Ab wann belädt man sich mit Schuld?

In dieser physischen Welt zu sein bedeutet Zeit und Raum einzunehmen. Wenn man es sehr streng sieht, kann man dieses bereits als eine Art Schuld werten, denn die von mir eingenommene Raumzeit steht niemand anderem mehr verfügbar und schränkt damit die Freiheit anderer ein.
Allerdings muss man dagegen halten, dass ich dies nicht verursacht habe, zumindest nach gängiger Lesart waren dies meine biologischen Eltern, die meine körperliche Existenz auf den Weg und mich in diese Schuld gebracht haben. Und es lässt sich bestimmt auch darüber streiten, ab wann dieser Zellhaufen mein Ich beherbergte - sicherlich war dies wohl nicht von Anfang an der Fall. Aber ab dann, irgendwann in meiner Kindheit, habe ich mich wohl mit Bestimmtheit schuldig gemacht, als ich meinen Körper selbstständig zu nutzen begann um mit ihm Ressourcen umzuwälzen und dabei Lebensräume und Lebewesen zu beeinflussen und auch zu vernichten. Ich würde mich allerdings auch schuldig machen, würde ich den mir gegebenen Körper vernachlässigen, ihn ohne Not absterben lassen.
Ich trage also die Bürde auf mir, mein Leben so zu gestalten, dass ich das Schuldpensum mir selbst und meiner Mitwelt gegenüber möglichst klein halte.
Das ist nicht immer einfach.
Aber zum Glück habe ich das in der Hand.
Das nennt sich, glaube ich, Gewissen.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Kynosarges 2614

Donnerstag Nacht, 09. Juli, im Bus von Lyon nach Köln: In der Nacht vom 04. auf den 05. Juli kam ich ja mit einer Portion Glück in Mulhouse an. Nach dem Fußball-Chaos auf den Straßen ging ich erstmal wieder zurück zum Bahnhof in der Hoffnung, die Person aus Blablacar, der ich für 03:00 Uhr eine Buchungsanfrage geschickt hatte, würde in letzter Minute noch antworten und mich mitnehmen. Dem war so aber nicht. Es gab ein weiteres Inserat für 03:20 Uhr, aber auch dieses blieb ohne Bestätigung, genauso bei einem um 04:40 Uhr und um irgendwann nach 05:00 genauso. Da hatte ich allerdings schon längst beschlossen, zu versuchen, zu trampen, und war schon auf dem Weg zur Autobahnauffahrt bzw. dann gegen 04:45 Uhr dort angekommen.  So langsam graute der Morgen, und mir graute es auch, denn Verkehr auf die Autobahn gab es kaum und, inzwischen über eine Stunde Fußweg vom Bahnhof entfernt, sah ich im Fahrplan, dass ab zwischen 05:00 und 06:00 Uhr bereits wieder Züge für meine Reiserichtung fuhre...

Kynosarges 2532

Ich begann diesen neuen Blogeintrag drei Tage vorher als heute. Heute ist bereits Montag, der 17. November spät abends und ich bin bei der Arbeit. Dennoch möchte ich so einsteigen, wie ich es vor drei Tagen getan hatte: Inzwischen ist Freitag, der 14. November, und ich bin im letzten Zug von mehreren zurück von Frankreich zu meiner Mutter, denn für Samstag will sie eine Pferdeveranstaltung besuchen und die Person, die sie dabei begleiten wollte, wird höchstwahrscheinlich absagen. Meine Mutter ist sehr pferdebegeistert, hatte viele Jahre selbst Pferde, die sie geritten oder vor die Kutsche oder den Schlitten gespannt hat - natürlich insgesamt mit viel Unterstützung durch den Rest der Familie bei allen anfallenden Arbeiten.  Der letzte Blogeintrag liegt zwar bis jetzt nur zwei Tage zurück, dennoch hat sich einiges angesammelt, was ich hier zusammenfassen möchte.  Mindestens neun Stunden schlief ich auf dem Boot, bevor ich mich am nächsten Vormittag für die Weiterfahrt fertigmach...

Kynosarges 2611

Durch verschiedene Ereignisse der letzten Tage ist inzwischen Mittwoch, 27. Mai, sechs Tage später als ich eigentlich zu schreiben begonnen hatte: Heute ist Donnerstag, der 21. Mai. Und ja, ich sitze wieder mal in einer Bahn, und zwar auf dem Weg zu einer MRT-Untersuchung.  Seit dem letzten Eintrag sind mal wieder fast 20 Tage vergangen, mit vielen verschiedenen Aspekten und Ereignissen, so dass mir die ersten davon, die auf meinem Boot, bereits wie in weiter Ferne vorkommen: Am Sonntag, dem 03. Mai, bin ich von meiner Mutter aufgebrochen nach Frankreich. Leider gab es unterwegs Verspätungen, so dass ich nicht mehr wie geplant am späten Abend nach Épinal und von da zu meinem Boot kommen würde, sondern von Strasbourg einen Umweg über Nancy mit der letztmöglichen Verbindung nehmen musste und damit erst gegen Mitternacht in Épinal ankam. Von da aus lag noch ein Fußmarsch von über einer Stunde durch die Nacht vor mir, durch abgelegene Vororte von Épinal, denn das letzte Mal, nach dem P...