Direkt zum Hauptbereich

Scham

Als Menschen gehören wir zu den Herdentieren. In unserer sozialen Organisation liegt auch tatsächlich unser Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Spezies, nicht etwa in unserer Intelligenz oder der außergewöhnlichen Schärfe unserer Sinne oder Stärke unserer Muskelkraft.
Wir verbrauchen nicht nur viel Ressourcen darauf, andere zu beurteilen, sondern auch darauf, darüber nachzudenken, wie andere möglicherweise uns beurteilen könnten. Letzteres machen - außer möglicherweise wenige andere Primaten zu einem deutlich geringeren Grad - außer uns Menschen keine anderen Lebewesen, die wir kennen.
Unser Sozialgefüge setzt uns unter Druck dazuzugehören und wir vermeiden dadurch oft, zu viel von uns selbst zu zeigen aus Angst, andere zu irritieren und dadurch an Ansehen einzubüßen. Dabei passen wir dies, nämlich unsere Scham, immer an unser jeweiliges Umfeld an: Im Beisein guter Freunde haben wir eine andere Scham als im Beisein des Vorgesetzten oder gar, wenn wir uns völlig unbeobachtet fühlen - wobei wir teilweise diese Scham auch auf Tiere übertragen und uns auch dann in gewisser Weise gehemmt fühlen, wenn uns beispielsweise unsere Katze beobachtet.
Oftmals sind diejenigen Menschen erfolgreicher, die ihre Hemmungen, ihre Scham in Teilen oder gar ganz überwinden können. Oftmals stürzen diese aber auch ins Verderben.
Scham als unser Evolutionsvorteil kann also gleichsam Fluch und Segen sein.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Culture chauvinism and othering

I often wonder which level of education is necessary to understand that the own standards one is used to aren't more right or more justified or “naturally correct” compared to any others. I know, by nature, that state of mind comes automatically, to believe, only oneself speaks a proper language while all the others are gibberish. Many names for foreign languages came from that understanding, e.g. German, as seen from a Slavic perspective, is called “Nemetski”, referring to them as “those who have no language”, and ancient Greeks called all non-Greeks barbarians which could either refer to them as barbed=uncivilized or as people who only know how to speak “brr brr”. But even with political ideas and religion you find many who consider their own values as true and right and all the others as lies. From one's own perspective everybody considers themselves as freedom fighter, while from others’ perspective one is simply a terrorist. So how can we learn to get over with that chauvi...

Sexualverhalten

In den Medien wird derzeit ein Mann kritisch beleuchtet, der sich einen Namen machen konnte als satirischer Sprücheklopfer des linken und feministischen Spektrums. Er äußerte sich, sich selbst beschuldigend, dass er sich in seinen Beziehungen oft nicht entsprechend der Maßstäbe verhalten habe, die er durch seine öffentliche Arbeit setzte, sondern mehrere seiner Partner:innen sogar schlecht behandelt habe. Zum Einen wird er nun von den Massen verrissen, die von vornherein Wokeness und Feminismus gegenüber feindlich eingestellt waren, mit einer gewissen Häme, wie man erwarten kann, wenn man jemanden von einem hohen Ross herunterzerren kann. Zum Anderen verreisst ihn auch das linke Spektrum als scheinheilig und Verräter der eigenen Werte. Dazwischen gibt es Stimmen, die fragen, welcher Mensch mit öffentlichem Vorbildcharakter privat ohne Fehler ist wie auch, warum die Gesellschaft gerne Menschen überhöht, denn letztlich sind wir doch alle Menschen und scheitern regelmäßig an unseren Schwä...

Kynosarges 2415

Heute, am 28. Dezember, auf dem Weg zur Nordsee mit   der Arbeit, möchte ich einen Rückblick über die vergangenen Tage, über das vergangene Jahr mit Ausblick auf das kommende Jahr verfassen nebst einiger Betrachtungen zu den Fünfminutenschritten für den Fünfjahresplan sowie zu Verbindlichkeit und Disziplin im weitesten Sinn. Der Dienst um den 17. verlief ohne weitere besondere Vorkommnisse, danach beschäftigte ich mich mit dem Fünfjahresplan über ChatGPT, was allerdings nur wenig erhellend war - dazu unten mehr. Essen verteilen, ein nächtlicher Spaziergang auf den nahen Klosterberg und Flyer verteilen waren ein paar Tätigkeiten während jener Tage, zudem ein Besuch beim Christgeburtsspiel an der Waldorfschule in meiner Stadt. Samstag hatte ich mein Kind wieder, verbrachte den Mittag in der Bibliothek mit einem neuen Spiel, bei dem es um viel Hektik und Zeitmanagement im Zusammenhang mit Kochen ging. Nachmittag und Abend verbrachten wir mit Essen, Lesen und Film, am nächsten Morgen ...