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Kynosarges 2613

Freitag, 03. Juli, auf dem Weg zur Arbeit, nachdem ich schon mehrmals vorher begonnen und wieder aufgehört hatte:
Der Einsatz auf dem Weinfest vor über zwei Wochen, Freitag, 12. Juni, geplant bis 18:00 Uhr, zog sich noch 45 Minuten länger, weil der Partner der Klientin, der mich dort ablösen sollte, sich etwas verspätete. Er hatte dies im Vorfeld in Aussicht gestellt, insofern war mein Kind zeitlich schon darauf vorbereitet. Am Freitagabend machten wir nicht mehr viel, spielten ein Spiel, schauten einen Film und gingen schlafen. 
Samstag verbrachten wir den Vormittag ebenfalls mit Spielen und gingen nachmittags spazieren für Eis und Spielplatz. Abends spielten wir wieder zuhause bis zum Schlafengehen. Mein Kind war dabei öfter auch auf sein Smartphone fokussiert. Rückblickend habe ich das Gefühl, mich mehr darum kümmern und gleichzeitig auch selbst weniger an meinen digitalen Geräten sein zu müssen. 
Sonntag war mein Kind bei der Theaterprobe, darum herum fand nur weiterhin Spiel und Smartphone statt, dann ging mein Kind abends wieder zu seiner Mutter. 
Am Montag dann, 15. Juni, half ich für einen Einsatz beim MakerSpace. Es gab Dienstag bis Donnerstag eine Technikmesse für Schülerinnen und Schüler, und der MakerSpace stellte dazu einen Stand bereit zum Thema 3D-Druck. Ich trug mich direkt für alle Schichten ein, die ich Zeit hatte. Am Montag ging es zunächst nur um den Standaufbau und ich kam tatsächlich zum ersten Mal näher mit 3D-Druck in Kontakt. Ich hatte öfter schon nachgedacht, meine Velo-Proa als Modell als Ganzes oder als Bausatz für einen 3D-Drucker zu designen, doch dazu sind aktuell noch zu viele Faktoren offen, außerdem möchte ich ungern aufwendigen Plastikmüll herstellen, der nachher nur Staub sammelt. Dennoch habe ich es weiterhin auf dem Schirm. Um etwas mehr Verbindlichkeit mir selbst gegenüber zu trainieren, ließ ich mich schon vorher, vor dem Wochenende, mit der KI auf eine Wette ein, ob es mir gelänge, bis Dienstag Abend ein Video roh ohne besondere Ansprüche zu produzieren und dieses auch Freunden zu zeigen, um den Kreislauf aus Prokrastination und vermeintlichem Perfektionismus zu durchbrechen. Am Wochenende hatte ich eine Einleitung verfasst, aber das Video stand noch aus. 
Dienstag, 16. Juni, war ich für eine weitere Blutprobe zum Vergleich zu der im März beim Doktor und ging danach zum Stand des MakerSpaces. Da war ein Gewusel von vielen Kindern im Alter von neun bis elf Jahren, die alle irgendetwas gedruckt haben wollten: Lesezeichen, Schlüsselanhänger, und besonders beliebt waren alle möglichen kleinen Tierchen. Zunächst war ich komplett ahnungslos, wie ich ihnen da helfen konnte, aber bald hatte ich die Bedienung der Maschinen raus, übrigens hatten diese viel schneller raus als ich auch einige Kinder, die sich selbst und anderen gut helfen konnten und dies auch gerne tun durften. Am Abend ging ich zum Botanischen Garten, denn dort wollte ich das Video aufnehmen, zunächst noch ganz ohne weitere Technik nur über mein mobiles Endgerät. Auf 15 Minuten hatte die KI mich festgenagelt. Auf meinem chronisch vollen Gerät machte ich also Platz für 15 Minuten Video und fing an, aber diese 15 Minuten waren mit der dann offensichtlich wohl zu ausführlichen Einleitung bereits ausgeschöpft, ich musste das neue Video auslagern und eine Fortsetzung aufnehmen, wieder 15 Minuten, die erneut nicht reichten, wieder auslagern, und das noch zwei weitere Male. Ich empfand das Video als stark verbesserungswürdig, eigentlich nicht vorzeigbar, aber so war der Deal, und immerhin hatte ich nun ein Video, auf dem ich aufbauen kann. Das muss ich noch machen, aber das Eis ist gebrochen. 
Am Mittwoch hatte ich einen Arbeitseinsatz ohne Vorkommnisse, am Donnerstag ging ich nach der Arbeit wieder zum MakerSpace-Stand - dieses Mal waren die Schüler und Schülerinnen von 15 bis 17 Jahren an der Reihe. Danach wurde der Stand wieder abgebaut und die Materialien in die Räumlichkeiten des MakerSpaces verstaut. Außerdem hatte ich dann noch eine Videosprechstunde mit meinem Arzt, bei der nur die bisherigen Ergebnisse besprochen wurden. Es fühlt sich komisch an, wenn ich vorher so gut wie nie mit Ärzten zu tun hatte, jetzt so gehäuft Termine in dieser Richtung zu haben. Und alles nur, weil ich einen Knick in meiner Psyche geradebiegen wollte - und immer noch möchte. Abends ging ich an einen kleinen Strand am Fluss nicht weit von meinem Zuhause, ging ein paar Runden im Rhein schwimmen, dann machte ich mich auf zu einer Essensverteilung. 
Freitag, nun 19. Juni, verbrachte ich überwiegend träge zuhause und ging nur abends etwas an den Strand zum Schwimmen, am Samstag traf ich mich mit meinem Neffen und meiner Schwester, wir tranken etwas und gingen spazieren. Sonntag Nachmittag trafen wir uns erneut, denn dann wollte mein Neffe in voller Feuerwehrmontur 40 Stockwerke die Treppen nach oben rennen, der eigentliche Grund, warum er in der Gegend war. Natürlich tat er das nicht alleine, sondern in einem Wettbewerb mit über 1000 anderen Feuerwehrleuten. Ich war beeindruckt, dass er das tüchtig durchzog und eine gute Zeit erreichte. Abends ging ich dann zum Abkühlen wieder an den Strand. 
Montag, nun 22. Juni, hatte ich wieder eine Schicht, die ohne weitere Vorkommnisse verlief. Dienstag danach verbrachte ich überwiegend träge zuhause. Mittwoch verbrachte ich etwas unmotiviert in der Bibliothek, war etwas verschmitzt beim heimlichen Beobachten zweier Jugendlicher, die auf unbeholfene, aber dennoch sehr deutliche Weise versuchten, sich zu zeigen, dass sie die körperliche Nähe des anderen wollten. Später ging ich zum Strand und machte abends eine Essensverteilung. 
Am Donnerstag, 25. Juni, hatte ich eine weitere Schicht, auch die verlief reibungslos, soweit man das bei der Klientin so sagen kann. Freitag wachte ich dort flau und mit dem Gefühl schwacher Knie und Kreislauf auf. Den Dienst konnte ich unproblematisch beenden, auch zu einer Bahn rennen - so schlimm war es also wohl nicht. Dennoch hatte ich im Laufe des Nachmittags dann noch fiebrige oder migräneartige Kopfschmerzen und leichte Probleme mit Magen und Darm.
Am Freitag kam allerdings auch mein Kind zu mir und das Wochenende waren die höchsten Temperaturen angekündigt. Wir gingen zunächst wieder in die Bibliothek, fanden zwei Spiele und gingen dann zu mir nach Hause. Weil selbst am Abend noch die Temperaturen schwül, fast tropisch waren, dachten wir, es ist eine gute Idee, das Bett die ganze Nacht lang von einem Ventilator bestreichen zu lassen. Am Abend war das auch noch angenehm. 
Am nächsten Morgen wachte ich auf, und kurz nachdem ich wach war, mich bewegte, spürte ich ein gewisses, etwas schmerzhaftes Ziehen in der rechten Flanke auf Höhe der Niere. Ich stand auf und ging erstmal nicht weiter darauf ein, rechnete damit, dass sich das gleich wieder legen würde. Stattdessen wurde es aber sogar noch etwas stärker, und ich fand keine Sitz-, Steh-, Geh- oder Liegeposition, in der der Schmerz weniger wurde, im Gegenteil, nach einer gewissen Zeit in egal welcher Position wurde es schlimmer und ich musste zu anderen Positionen und Bewegungen wechseln, um zumindest das vorherige Niveau zu halten. Mittlerweile war auch mein Kind wach, war natürlich besorgt - zum Glück hatte mein Kind keine Beschwerden. 
Bald gegen Mittag erklärte ich meinem Kind, dass ich wohl doch einen Arzt würde aufsuchen müssen. Mein Kind entschied, in meiner Wohnung auf mich zu warten, Klavier zu spielen, Bücher zu lesen, Puzzle zu spielen usw., Angebote wären genügend da. Ich schleppte mich zum nächsten Krankenhaus und musste dort erstmal fast zwei Stunden warten, bis ich aufgerufen wurde. Zu meinem Kind konnte ich für den Fall der Fälle digital Kontakt halten, mein Kind zu seiner Mutter und Großmutter auch. Der diensthabende Arzt hörte sich meine Geschichte vom Freitag und vom Ventilator an und vermutete eine Virusinfektion. Gleichzeitig warnte er davor, dass schwitzende Körper und Ventilator-Zugluft über so viele Stunden häufig ganz übel ausgehen können. Er wolle eine Urinprobe, allerdings war ich kurz vor meinem Gang zum Krankenhaus bereits auf Toilette gewesen und normalerweise, auch wenn ich ansonsten vollkommen gesund bin, dauert es dann mehrere Stunden, bis ich wieder auf Toilette muss. Ich versuchte es dennoch, trank Wasser und Saft, aber es half nichts. Mein Kind teilte mir mit, nach inzwischen einigen Stunden allein sei der Akku bei dem Gerät bei meinem Kind so gut wie leer. Ich machte noch einen letzten Toilettenversuch, brach die Sache dann aber erstmal ab und schleppte mich wieder nach Hause. Für die Geduld meines Kindes brachte ich dabei noch etwas Süßes mit. 
Zuhause machte ich meinem Kind etwas zu essen. Außerdem stellte ich meinem Kind Zugang her zu seiner aktuellen Lieblingsserie über die Abenteuer einer heimlichen Apothekerin als Zofe im Palast des Kaisers von Japan in vorindustrieller Zeit. Leider war ich selbst keine gute Gesellschaft für mein Kind. Am späteren Nachmittag kam die Großmutter vorbei und wollte meinem Kind eine Möglichkeit anbieten, doch wieder zu sich nach Hause gehen zu können, doch mein Kind entschied sich weiterhin, bei mir bleiben zu wollen. Davon war ich durchaus gerührt. Am frühen Abend konnte ich schließlich die Urinprobe abliefern. Es gab einen auffallenden Wert roter Blutkörperchen, was beim immer noch diensthabenden Arzt die Hinweise verdichtete, dass ich Nierensteine haben könnte und dass ich dies mit meinem Hausarzt per Ultraschall untersuchen solle. Er füllte ein entsprechendes Formular aus. 
Als ich so abends wieder nach Hause kam, waren meine Schmerzen komplett verschwunden. Mit meinem Kind verbrachte ich einen schönen Abend, war guter Dinge, wir schlemmten mit Eis, Früchten und anderen Leckereien, stellten für die Nacht aber sicherheitshalber den Ventilator so auf, dass er nur die Raumluft bewegte, aber nicht die Betten mit Zugluft erreichte. Gegen Mitternacht war der Schmerz wieder da. Nicht ganz so stark wie vorher, aber auch nicht ignorierbar. Ich ging in ein anderes Zimmer, um mein Kind nicht durch mein stetiges Hin und Her, mein vieles Bewegen zu stören und konnte so nach einiger Zeit etwas leichten Schlaf finden, war dann wieder wach, konnte dann wieder etwas dösen bis in den späten Morgen hinein. 
Sonntag Mittag begleitete ich mein Kind zur Theaterprobe. Schmerzen hatte ich immer noch, aber es war auszuhalten. Auf dem Weg zurück nahmen wir in einem Café etwas zu essen ein, besser gesagt, mein Kind, denn ich hatte gar keinen Appetit, versuchte es mit einer heißen Schokolade, aber auch die bekam ich nach zwei Schlucken nicht weiter runter. Zuhause wollte mein Kind zunächst ein bisschen draußen skaten, dann mit mir ein Brettspiel spielen, aber irgendwann konnte ich da kein guter Spielgefährte mehr sein und musste mich mit Schmerzen zurückziehen. Ich stellte für mein Kind noch die letzten Episoden der Apothekerin-Serie ein und legte mich hin, bis mein Kind abgeholt wurde. Später am Abend, Richtung Mitternacht, nahmen die Schmerzen wieder zu und ich sagte im Team meiner Arbeit Bescheid, dass gegebenenfalls für meine Schicht ab Dienstag Abend eine Vertretung nötig werden könnte und rief eine medizinische Notfallnummer an, wo ich erfragen wollte, wie ich Schmerzmittel bekommen könnte, damit ich zumindest ein paar Stunden würde schlafen können. Ich erfuhr, dass ich noch einmal ins Krankenhaus zur Notaufnahme würde gehen müssen, und dort schließlich teilte man mir mit, dass mit der bis dahin festgehaltenen Vorgeschichte ich am besten noch in der gleichen Nacht ein anderes Krankenhaus mit Urologie aufsuchen sollte. Da mir das aber so schnell nicht so leicht möglich war, bat ich um Schmerzmittel und man gab mir fünf Paracetamol. Quasi unerfahren mit Schmerzmitteln, nahm ich zuhause eine Tablette ein, wartete etwa eine halbe Stunde, und als ich spürte, dass die Wirkung begann, konnte ich bald einschlafen. Etwa eine Stunde später war ich aber wieder wach: Die Wirkung hatte nachgelassen, der Schmerz war wieder da. Ich nahm eine weitere Tablette, und als eine halbe Stunde später deren Wirkung einsetzte, nahm ich direkt noch eine, in der Hoffnung, dass sie eine Anschlusswirkung erreichen könnte und schlief wieder ein. Trotzdem war ich etwa eine Stunde später, nun etwas nach 04:00 Uhr, erneut mit Schmerzen wach. 
Inzwischen graute der Montagmorgen, nicht mehr lange, und die ersten öffentlichen Verkehrsmittel würden mich zu besagtem Krankenhaus bringen können. Ich konnte spontan-vorsorglich noch eine Urinprobe sammeln, denn im Krankenhaus würde ich bestimmt wieder anderer Leute Geduld strapazieren, dann machte ich mich auf den Weg. Unterwegs in Bus und Bahn entfaltete schließlich die dritte Tablette ihre Wirkung, doch die war auch wieder vorüber, als ich knapp eine Stunde später im Krankenhaus war. Mein Anliegen wurde aufgenommen, meine Akte eingesehen, meine Urinprobe mit Bedenken angenommen, sicherheitshalber wollte man noch eine neue von mir, die ich jedoch wie vorhergesehen schuldig bleiben musste. Schließlich war der dort diensthabende Arzt geweckt und zu mir gebracht worden. Er schaute sich alles an, schloss schon vom Abtasten Nierensteine oder andere Nierenschäden aus, machte eine Untersuchung per Ultraschall, die klar bestätigte, was er schon vermutet hatte: Die Blutkörperchenzahl sei viel zu gering für Nierensteine, er legte sich fest, dass die Ventilator-Zugluft meine rechte Flanken-Muskulatur verkrampft und verhärtet habe, verschrieb mir Schmerzmittel dafür und verabreichte mir direkt eine flüssige Dosis, die so rasch wirkte, dass ich schon bei meinem Weg aus dem Krankenhaus zum Bus schmerzfrei war, und zwar für den restlichen Tag bis in den frühen Abend. Auf der Arbeit konnte ich inzwischen Entwarnung geben; für den kommenden Dienst sah ich mich gewappnet. Verschiedene besorgte Familienangehörige und Freunde erkundigten sich schon seit dem Wochenende fast stündlich nach meinem Wohlbefinden und inzwischen warnten die einen mich vor dem einen Schmerzmittel, die anderen vor dem anderen, und ich, ohnehin eher skeptisch, nahm abends, als die Schmerzen wiederkamen, aber sie kamen nicht sehr stark, vorsichtig mal eine der neuen Tabletten. Es dauerte eine kleine Weile, aber dann kam die Wirkung und hielt erfreulicherweise die ganze Nacht. 
Dienstag ruhte ich mich aus und bereitete mich nachmittags auf die Schicht vor. Kurz bevor ich losfuhr, quasi um wirklich auf Nummer sicher zu gehen, nahm ich von beiden verschriebenen Schmerzmitteln eine Dosis - niemand hatte mir gesagt, wie ich die Schmerzmittel tatsächlich nehmen sollte: Der Arzt hatte sie lediglich sinngemäß als Vorschlag verschrieben, und der Apotheker, von dem ich sie dann erhielt, konnte auf der ärztlichen Verschreibung keine Daten zur Anwendung finden und notierte mir die üblichen Routinen, beim einen dreimal täglich und weiter nach Bedarf, beim anderen, weil stärker und vom Typ her anders, einmal morgens, einmal abends. Dies ließ die Interpretation zu, beide abends zu nehmen sei in Ordnung, vielleicht sogar im Sinne der Behandlung. Bis zum Schichtbeginn war ich vollkommen schmerzfrei bis in die Nacht und den Morgen. 
Sicherheitshalber nahm ich morgens, nun Mittwoch, 01. Juli, noch eine Dosis des Bedarfs-Mittels und war so bis zum Schichtende sicher. Die Schicht lief übrigens auch von der Klientinnenseite aus geschmeidig, die sich Sorgen um mich gemacht hatte und froh war, dass ich uneingeschränkt da sein konnte. Wieder zuhause, wollte ich für den restlichen Tag kein Mittel mehr nehmen bzw. bis zur nächsten Schicht am Freitag nur so wenig wie möglich. Ich ruhte mich vor allem aus und schlief und schlummerte in verschiedenen Episoden über den Tag und die Nacht verteilt, teilweise mit fiebrigen Erscheinungen und Schweißausbrüchen. 
Donnerstag dachte ich, für meine Rückenmuskulatur sei es bestimmt nicht so gut, wenn ich viel Zeit im Liegen verbringe. Ich beschloss also, einen ausgiebigen Spaziergang zu machen. Zunächst aber wollte ich ein spätes Frühstück einnehmen und mir dabei, um etwas mehr Klarheit zu bekommen, die Beipackzettel der Schmerzmittel durchlesen. Mir grauste durchaus, was für medizinische Brechstangen ich mir da antat und welcher Kanon an Risiken mit ihnen einherging. Schließlich begriff ich für mich, dass das Bedarf-Mittel vielleicht risikoreicher sein könnte als das, das ich nur morgens und abends nehmen sollte. Letzteres war vor allem für Senioren nicht unbedenklich, und es waren vor allem Senioren-Angehörige und -Freunde, die mich vor jenem gewarnt hatten. Es war auch für den Magen strapazierend, aber der Arzt hatte mir auch ein zusätzliches Mittel verschrieben, das ich morgens zuallererst nehmen sollte, um den Magen für jenes Mittel zu wappnen. Ich machte mich also auf den Weg, ging mehrere Stunden ohne Schmerzmittel und mit eher leichten Schmerzen den Fluss entlang, nahm am frühen Nachmittag eine Mahlzeit ein und ging den Weg wieder zurück, mit einem spontanen, aber dringend nötigen Abstecher beim Institut Français. Die leichten Schmerzen waren etwas deutlicher, aber bis zum Abend immer noch erträglich. 
Während des vorherigen Tages hatten mich mal wieder die Eltern meines ehemaligen Langzeitgastes kontaktiert: ob ich etwas von ihm wüsste, er hätte sich seit drei Monaten schon nicht mehr bei ihnen gemeldet. Ich schrieb zurück, dass ich nichts über ihn wüsste, dass ich ihn nur vor etwa sechs Wochen zufällig mal gesehen habe. Trotzdem machte ich mir Gedanken und rief vor meinem Spaziergang bei der Polizei an, um zu erfahren, ob auf deren Seite Informationen vorliegen, ob er vielleicht verunglückt oder hinter Gittern sei. Der Beamte recherchierte und fand heraus, dass mein ehemaliger Langzeitgast gut und sicher in einer sozialen Unterkunft untergekommen sei. Im Anschluss muss er wohl auch erkannt haben, dass der Aufenthaltstitel meines ehemaligen Langzeitgastes schon seit langer Zeit abgelaufen war, denn nur wenige Stunden später meldeten sich seine Eltern wieder bei mir: Ihr Sohn sei jetzt in Polizeigewahrsam und sie bitten mich, seine bei mir gelagerten Dinge, insbesondere Laptop und Dokumente, zusammenzupacken und an einen befreundeten indischen Restaurantbetreiber zu übergeben. Wie viel Zeit ich dafür habe? Das wüssten sie nicht genau, aber die Rückreise ihres Sohnes sei für den 20. Juli terminiert. 
Upsi, da hatte ich ihn wohl unabsichtlich verpfiffen. Ich konnte mir das Szenario gut vorstellen: Er ist zwar polizeilich gut bekannt, weil häufiger in diversen Situationen aufgefallen, aber in diesen Situationen ging es nie um den Aufenthaltstitel. Und die Ausländerbehörde hatte bereits seit Monaten seine Ausreise angeordnet und seine Abschiebung angedroht, ihn aber nicht polizeilich gesucht, und nun, als ein Beamter das eine und das andere zusammenzählen konnte, und weil mein ehemaliger Langzeitgast üblicherweise tagsüber bis in den Nachmittag im Bett verbrachte, fanden ihn wahrscheinlich ein paar Beamte selig schlafend und nahmen ihn in Abschiebehaft. Grundsätzlich stehe ich in politischer Opposition zu solchen Regelungen, sehe andererseits aber auch, dass meinen ehemaligen Langzeitgast bis in alle Ewigkeit so sich selbst zu überlassen, mit allen seinen seelischen und geistigen Problemen und als Risiko und Last für andere, ihn sich immer tiefer in einen Abgrund schrauben lässt, und dass vielleicht gerade seine Eltern, die ihn lange und gut kennen und wohl auch streng mit ihm umgehen, die Chance haben, ihn wieder auf die Füße zu stellen und in Form zu bringen. 
Zurück zu meinen abendlichen Rückenschmerzen: Ich nahm eine von den Bedarfs-Tabletten und ärgerte mich, dass sie lange, über eine Stunde, brauchte, um eine anfängliche Wirkung zu zeigen. Ich ärgerte mich darüber, außerdem machte ich mir Gedanken, wie es am besten klappen sollte mit dem ehemaligen Langzeitgast, dass er seine Sachen bekommen könnte, wenn ich ab Freitag erstmal für über eine Woche nicht mehr zuhause sein würde. Außerdem ärgerte ich mich darüber, dass ich seine dreckigen, chaotischen Dinge würde anfassen und zusammenräumen müssen. Schließlich aber, weil die Schmerzen noch nicht weg waren und schlafen ohnehin noch nicht möglich war, stand ich auf und nahm mich der Aufgabe an, packte seinen Kram zusammen in zwei große Koffer, zwei große Rucksäcke und drei weitere Taschen, machte ein Foto, auch eines davon, wie der Abstellraum erreichbar ist, in dem die Dinge waren, ließ die Tür des Abstellraums unverschlossen und schickte die Bilder an die Eltern mit dem Hinweis auf meine Abwesenheit und auf die Erreichbarkeit der Dinge. Während ich mit all dem beschäftigt war, und das dauerte sicher zwei Stunden, war ich schmerzfrei und schweißgebadet. Als ich damit fertig war und schlafen wollte, kamen die Schmerzen zurück, wieder recht stark, so dass ich noch eine weitere Dosis des eigentlich nicht ungefährlichen Bedarfs-Mittels nahm. Es dauerte über eine Stunde, fast anderthalb, bis es wirkte. Schließlich konnte ich irgendwie schlafen.
Früh am Morgen, nun Freitag, 03. Juli, erwachte ich nicht nur schweißnass, sondern sprichwörtlich in einem See aus Schweiß. Ich musste mein Bett abziehen, dann nahm ich vorbereitend für die kommende Schicht zuerst das Medikament zur Stabilisierung des Magens und etwas später, nachdem ich geduscht hatte, das Schmerzmittel für morgens und abends, und machte mich auf den Weg zur Arbeit. Hierher gehört der Einstieg dieses Beitrags. Die Arbeit verlief gut, es gab nur gelegentlich "Fragwürdigkeiten" für mich, zB hatte die Klientin sich einen neuen Marken-Beutel für ihre Medikamente für ihre Handtasche gekauft, da der vorherige der gleichen Marke "kaputt" sei. Kaputt bedeutete in diesem Fall, dass sich ein Bommel am Reißverschluss mit der Zeit aufgelöst hatte. Der Beutel und sein Reißverschluss waren noch vollkommen intakt und von Herstellerseite war das Bommelproblem bekannt, weswegen der Beutel mit einem Ersatz geliefert wurde. Dennoch wurde ich angewiesen, den alten Beutel wegzuschmeißen und den neuen in Betrieb zu nehmen. Nun ja, im engeren Rahmen ging es mich nichts an, da war es ihre Sache. In einem größeren Rahmen war es natürlich Ressourcenverschwendung, die auch mich betraf. Aber solche und ähnliche Fragwürdigkeiten gehörten eben zu ihr, das war ich gewohnt - und schließlich: wer weiß, über welche Fragwürdigkeiten von meiner Seite aus sich mein Umfeld den Kopf zerbricht. Nach einem ansonsten angenehmen Dienst nahm ich abends die Abenddosis des Schmerzmittels und hatte eine ruhige Nacht. 
Der Dienst war auch am Samstag angenehm. Früh morgens hatte ich mit Magenschutz und Schmerzmittel vorgesorgt. Ich begleitete die Klientin bei wichtigen Besorgungen, die daraus bestanden, ihren "kaputten" Displayschutz zu ersetzen (es hatten sich lediglich am Rand zwei Bläschen gebildet, das war der ganze "Defekt") und in einer türkischen Patisserie zu frühstücken, woran ich tatsächlich auch persönlich Freude hatte. Für den restlichen Tag, bis um 18:00 Uhr ihr Partner mich als Kollege im Dienst ablöste, war kaum mehr etwas zu tun. Für knapp nach dem Dienst, etwa 19:00 Uhr vom Kölner Hauptbahnhof, hatte ich mir schon vor Wochen eine recht günstige ICE-Verbindung nach Karlsruhe besorgt und ab Karlsruhe wollte ich mit Regionalzügen und Blablacar-Verbindungen noch am Sonntagmorgen zu meinem Boot kommen und losfahren. Dann, so hatte die KI es hoffentlich zuverlässig ermittelt, würde ich am 09. Juli mein Boot in Saint-Gilles parken und dort für etwa zwei Monate belassen können. Aber erstmal war ich nun im Zug nach Karlsruhe. Ich hatte mich über die App eingecheckt und war bereits mehrmals schon vom Bahnpersonal wahrgenommen worden. Ich überlegte: Wenn ich in Karlsruhe meinen Ausstieg vergesse - der ICE fuhr bis Basel - und mich erst an einem für meine Weiterfahrt günstigeren Bahnhof an meinen Ausstieg erinnern würde, wem würde dies als anstößig auffallen? Am gleichen Abend noch, nach Mitternacht, war Mulhouse der weiteste in Richtung meines Bootes noch erreichbare Bahnhof. Nach regulärer, weniger vergesslicher Ausstiegsroutine würde ich ab Karlsruhe mit Regionalzügen über Appenweier und Strasbourg fahren müssen und hätte einen bestimmten Betrag an Bahnkosten im französischen Netz ab Kehl. Es gab aber auch eine Verbindung nach Mulhouse über Basel, mit einem TER-Bus wesentlich günstiger. Da war es doch ein glücklicher Zufall, dass ich aus Vergesslichkeit bis Freiburg im ICE sitzen geblieben war und erst ab dort mit dem Regionalverkehr nach Basel fuhr und diesen TER-Bus so noch erreichen konnte. Und es war ein weiterer glücklicher Zufall, dass das Schweizer Datennetz mir keinen vernünftigen Zugang verschaffte, ich also online kein Ticket für den TER-Bus kaufen konnte und der Busfahrer, als ich eines mit Bargeld kaufen wollte, abwinkte und mich kostenlos zusteigen ließ. In diesem Bus, inzwischen nach Mitternacht in Frankreich, mit französischem Netz verbunden, sitze ich nun und komme hoffentlich endlich zum Schlus:.
Manchmal laufen Dinge geschmeidig bei mir und dann freue ich mich. 
Oft ist es aber bei mir so, egal ob im Haushalt, bei meinen Projekten, bei meiner Gesundheit, bei Dateien auf dem Computer, bei Finanzprodukten usw., dass sich etwa drei Viertel an Altlasten sammeln, die ich liegen lasse und deren Bearbeitung prokrastiniere, auf eine günstige Gelegenheit warte, und mir so lediglich etwa ein letztes Viertel an Luft zum Atmen, an Entfaltungsspielraum lasse. Es ist wahrscheinlich gut, dies so erkennen zu können. Aber ich muss weiterhin Wege finden, diese Barrieren abzubauen oder zu durchbrechen. 
Was bleibt für die kommenden Tage und Wochen?
Erstmal hoffe ich, dass ich noch in der Nacht bzw. am frühen Morgen zu meinem Boot kommen und die Fahrt wie berechnet machen, Lyon und Avignon passieren kann, ohne auf der Rhône Probleme mit der Berufsschifffahrt, der Strömung oder den großen Schleusen zu bekommen. Wenn alles klappt, steige ich am 09. nachmittags in Nîmes in einen Flixbus und fahre damit mit Umstieg in Lyon durch die Nacht bis nach Köln. Für den 10. werde ich schauen, was ich da Schönes mache, vielleicht hat Köln da ein gutes Angebot. Am 11. Juli habe ich eine Doppelschicht bis zum 13., dann besuche ich einen Elternabend an der neuen Schule für mein Kind und habe direkt im Anschluss erneut ein supergünstiges ICE-Ticket bis Karlsruhe, so günstig, dass ich es schmerzfrei verfallen lassen kann, für den Fall der Fälle, dass ich wider Erwarten doch noch einmal zu meinem Boot fahren muss. Ansonsten gibt es mehrere gute Gründe, Süddeutschland zu besuchen, denn bis zum 17. Juli habe ich frei, dann am 18. noch eine Doppelschicht und ab dem 20. Juli bis zum 07. August frei für eine Sommerferienreise nach Italien mit meinem Kind. Anders als zunächst vorgesehen werde ich die wohl nicht einfach nur zu Fuß und mit Fahrrad, gelegentlich mit Bus und Bahn machen, mit Zelt dabei, sondern besser doch mit meinem Wagen mit eingebauter Matratze fahren, mit Fahrrädern und Zelt im Gepäck, aber dann sollte ich den Wagen noch dafür vorbereiten, mindestens mit Verdunkelungen an den Fenstern, mit Tarp, mit einer Art Camping-Toilette, und natürlich muss ich endlich all die Überbleibsel der TÜV-Aktion beiseite räumen. Ursprünglich sah ich vor, bei Venedig mehrere Tage an Meer für Wassersport für mein Kind einzuräumen, doch inzwischen denke ich, mit zehn Jahren ist das am Meer vielleicht noch zu gefährlich und wir werden eher den Bodensee und den Gardasee und was wir sonst noch an Seen finden dafür nutzen und im Meer nur ein paar Mal baden gehen. Ich freue mich darauf.
In Bezug auf meine Rückenschmerzen erkannte ich: Keine Schmerzen zu haben ist ein Privileg. Da ist einmal der Schmerz, klar. Aber er tut nicht nur weh, er nimmt auch enorm viel Raum ein in den Gedanken, in der Tagesplanung, in jedem Moment, raubt Spontanität, Motivation und Freude, und ich kann nun deutlich besser verstehen, dass man zur Flasche oder anderen berauschenden Mitteln greift, damit man zumindest für einige Zeit diesen Schmerz los sein kann. Meine Klientin, aber auch meine Mutter, und natürlich viele andere Menschen, auch unter meinen Schwestern, gehen oft, wenn nicht täglich, durch körperliche oder seelische Schmerzen, oder sogar beides zusammen, und ich werde in Zukunft deutlich mehr Respekt und Mitgefühl dafür haben. 
Ich bin längst in Mulhouse, warte auf eine Blablacar-Zusage, da hat mich der Fußball kalt erwischt: Unzählige Menschen machen lähmendes Verkehrs-Chaos, weil elf Millionäre, die sie nicht kennen, erfolgreich einem Lederball hinterhergelaufen sind, und sie fühlen sich so stolz und aufgewühlt, als hätten sie persönlich irgendetwas dazu beigetragen. So lächerlich primitiv, aber hey, sie freuen sich. 
Ich muss nun mal schauen, ob ich um 03:00 Uhr endlich eine Mitfahrgelegenheit bekommen kann. 
Soweit...

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