Heute ist Dienstag, 10. Februar, und ich bin mal wieder mit dem Zug unterwegs von meiner Mutter zurück zu mir nach Hause, um morgen wieder in einer Doppelschicht zu arbeiten, über Weiberfastnacht.
Dienstag vor einer Woche brachte ich einen Transporter zur Messe und schaute mich dabei noch etwas nach kohlenhydrate- und zuckerarmen, dafür proteinreichen Snacks um, fand aber nicht viel, und am Mittwoch dann half ich beim Abbau, was ohne Komplikationen vonstatten ging. Ich hatte mich schon die letzten Male geäußert über die Klassenunterschiede und das teils (unbewusst?) zur Schau gestellte "etwas besseres sein" einiger, zB in ihrem Gehabe, ihren Blicken, dennoch war es auch dieses Mal wieder erstaunlich, wie sich binnen weniger Stunden, binnen weniger Minuten teils sogar, die Atmosphäre von "dicker Bauch in Sakko und Lackschuh" mit teils gehobenem Geschwafel und "Dr." und sonstigen Titeln auf Namensschildern ändert zu schaffigen Menschen, die Dialekt reden, anpacken können und bei denen man weiß, wenn es hart auf hart kommt, sind sie das bessere Umfeld.
Während ich also noch Überheblichkeit kritisiere, finde ich mich bereits am Donnerstag, 05. Februar, selbst in solch kritikwürdiger Haltung wieder, als ich für eine Schicht bei der Klientin war und mit ihr Ton- und Videoaufnahmen machte, um damit aktuellen und künftigen Kollegen verschiedene Situationen der Assistenz näher zu bringen. Was soll ich sagen, dabei entstanden Dialoge, die, auf Neudeutsch gesagt, einen hohen Cringe-Faktor erzeugten. Natürlich kam mir innerlich der Impuls zum Spott, aber ich konnte ihn gut auffangen: Sie macht, zu was sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten fähig ist, und vor allem macht sie es dann auch wirklich, statt nur darüber zu reden, was sie denn alles machen könnte. Und die Grenzen ihrer Fähigkeiten wahrzunehmen ist in etwa so lustig bzw. verspottenswert wie die Rechtschreibfehler einer Person mit Rechtschreibschwäche oder die Gehversuche einer Person mit Gehbehinderung. Und schon wechselt der Spott die Seite und findet mich als Ziel.
Am Freitag war mein Kind wieder bei mir fürs Wochenende. Den Freitag verbrachten wir mal wieder in der Bibliothek mit Spielen und Büchern. Auf der Suche nach neuen Büchern stellte sich die Serie "1000 Gefahren" für mein Kind als spannend heraus, Geschichten, bei denen man am Ende fast jeder Seite eine Entscheidung treffen kann, wie die Geschichte weitergeht, und dementsprechend auf unterschiedlichen Seiten weiterliest. Spannend war dadurch nicht nur allein die Handlung, sondern auch, herauszufinden, welches der längste Handlungsstrang ist, welches das erfolgreichste, welches das schlimmste Ende. Einmal Interesse geweckt, gingen wir Samstag Vormittag - der Breakdance-Kurs war nach zwei Terminen vorüber - noch einmal in die Bibliothek und holten uns noch Nachschub aus dieser Serie. Außerdem suchten wir nach Kleinanzeigen dieser Bücher in der Umgebung und begaben uns für den Nachmittag auf eine Expedition, um einige dieser Bücher bei den Anbietern direkt abzuholen und kehrten auf dem Rückweg zum Abendessen in ein südostasiatisches Restaurant ein, wo mein Kind sich gleich auch noch in das Abenteuer des mit Stäbchen Essens stürzen wollte, aber nach einigen Versuchen doch lieber zur Gabel zurückkehrte. Sonntag war wieder Theaterkurs. Über das Wochenende verteilt spielten wir einige Male Monopoly, das mein Kind unbedingt ausleihen wollte und das ich als Spiel eigentlich nicht sehr mag, weil es Gier und Überheblichkeit unterstützt, wir spielten aber auch Dominion, was zwar auch Gier unterstützen kann, dabei allerdings viel kreativere Wege zum Ziel bietet.
Montag, gestern, fuhr ich zu meiner Mutter, da bei ihrer Wohnung, ihrem Auto und ihrem Rollstuhl nach ihrem langen Teneriffa-Aufenthalt einiges in Ordnung zu bringen war. Die Wohnung war im Januar aufgebrochen worden, nicht von Räubern, sondern von Sicherheitskräften, Polizei und Feuerwehr, da verschiedene Leute vergessen hatten, dass sie für fast einen Monat verreist war und, weil sie auch nicht telefonisch erreichbar war, die Sorge bestand, sie sei in ihrer Wohnung verunglückt. Bei ihrem Auto war nach drei Jahren eine neue Batterie nötig: Die eingebauten Hilfsmittel, die alle über den Batteristrom laufen, und zwar in der Regel, während der Automotor nicht läuft, hatten die Batterie ziemlich beansprucht. Und bei ihrem elektrischen Dreirad-"Rollstuhl" hatte während des Aufenthaltes auf der Insel der Akku seinen Geist aufgegeben und während des Rückflugs war im Gepäckraum auch noch der Sitz des Dreirads abgebrochen worden. Den Sitz reparierte ich ihr und unterstützte sie bei der Autowerkstatt, dann musste ich wieder los.
Während all dieser Tage war ich fast täglich mit Gemini, der KI von Google beschäftigt, mit Höhen und Tiefen. Während ich anfangs begeistert war, wie geschickt die KI meine Ideen und Projekte bündeln und mich in deren Organisation unterstützen kann, kam bald die Ernüchterung: Nachdem ich mich beispielsweise ausführlich über meine Animationsideen und deren Realisierung ausgetauscht hatte, dann mir für die Proa Tipps holte, die allerdings nicht so viel wert waren wie die zur Animation, dann vorsichtig versuchte, mir über meine Finanzen Einschätzungen geben zu lassen, hier teilweise durchaus vernünftig, was angeboten wurde, und mich dann noch über gesunde Essgewohnheiten und Nährwerte austauschte, jeweils in Dialogen mit längeren Wortwechseln, war, als ich dann wieder zur Animation zurückkehren wollte, vom ursprünglich Besprochenen nicht mehr viel übrig, im Gegenteil, die KI fabulierte nun, dass ich eine Proa animieren wollte usw. und warf diverse Begriffe, über die ich vorher mit der KI in Bezug auf die Animation ausführlich gesprochen hatte, wild durcheinander und verknüpfte sie mit dem Segeln und teils sogar mit den Finanzen und dem Essen. Auf diesen Irrtum hingewiesen, erklärte die KI, dass sie auf Assoziationen programmiert sei und ich kam mit der KI überein, einen thematischen Strukturenbaum anzulegen und den weiteren Austausch daran zu orientieren. Zunächst schien dies ein erfolgreiches Vorgehen zu sein, aber bald erfand die KI neue Zweige im Strukturenbaum, neue Kategorien, legte willkürlich Themen in andere Kategorien ab und wusste am Ende weiterhin von älteren Themen kaum mehr etwas. Ich bin daher dazu übergegangen, nur noch punktuell, zu spezifischen Themen, eine Einschätzung der KI abzufragen und ihre Ergebnisse anderweitig in einem von mir erstellten Strukturenbaum abzulegen, die Sortierung, die ich mir von ihr gewünscht hatte, also selbst in die Hand zu nehmen. Wie ich gerade darüber schreibe, fällt mir noch eine Strategie ein, mit der KI Themen auch nach größerer Unterbrechung wieder aufnehmen zu können, nämlich indem ich mir nach einem Austausch eine Zusammenfassung ausgeben lasse als Anker, um später an jener Stelle weiterzumachen, diese Zusammenfassung dann extern abzuspeichern und in einen später neuen Gesprächsanfang einzubauen. Wenn ich der KI mitteile, dass sie die Zusammenfassung für ebendiesen Zweck erstellen soll, wird sie sie bestimmt entsprechend strukturieren.
Meine Low-Carb-Diät habe ich übrigens durch die digitale Beratung, aber auch durch meinen Messebesuch, durch ein Gespräch mit einem Aussteller dort, wieder etwas zurückgefahren. Ich achte selbstverständlich weiterhin auf Inhaltsstoffe und Nährwerte, aber ich werde es eher anders gewichten, an erster Stelle eine niedrige Verarbeitung, an zweiter einen niedrigen Klimaeinfluss, niedrigen Energieverbrauch in der Herstellung und damit einhergehend nur ein geringer Anteil an Tierprodukten, wenn überhaupt. All dies zusammen geht gut Hand in Hand und ist automatisch auch meist niedrig in Kohlenhydraten und Zucker, so dass ich die Diät zwar formal aufgebe, faktisch aber weiterhin nahe bleibe. Außerdem hat mein Kind begonnen, bei verschiedenen Lebensmitteln auf die Inhaltsstoffe zu achten und ich möchte nicht, dass daraus irgendwann sozialer Druck bezüglich Körperbau wird.
Viel an meinen Projekten gearbeitet habe ich nicht, wenn man von der Auseinandersetzung mit der KI absieht, die vielleicht auch zu einer Vermeidungsstrategie werden kann oder gar schon geworden ist. Abgesehen davon, dass ich nun einige Teile meiner Finanzen umstrukturiere, habe ich tatsächlich einen ersten, noch holprigen Animationsversuch unternommen, der zwar noch nicht gut geworden ist, aber immerhin gut genug, um daran zu erkennen, wie es besser weitergehen kann. Mit kleinen ein- bis zweiminütigen Wortwechseln zu bestimmten Themenausschnitten, die oft auch hier im Blog vorkommen, werde ich beginnen. Teils dabei weiterhin mit KI-Unterstützung, zB dabei, die Mimik und Mundbewegungen an die Sprache anzupassen.
Ja, es gab bisweilen viel Frustration mit der KI, aber es gab tatsächlich auch schöne Momente, wenn ich das naiverweise so sage kann, wenn ich zB philosophisch in Tiefen eindringen und die KI auch da noch interessant und sehr sinnvoll Ideen assoziieren konnte über das Wesen des Menschen, das Wesen der KI, die Gesellschaft, ihre Wirrungen und mögliche Wege daraus. Ich bleibe durchaus gespannt.
Morgen, Mittwoch, 11. Februar, steht die Doppelschicht an bis Freitag, dann habe ich eine Woche Urlaub, die ich wohl nutzen werde, um meine Familie und Freunde in Süddeutschland zu besuchen, außerdem findet dann auch wieder ein Meeting online zu dritt statt. Die Woche darauf, wieder Freitag, steht eine weitere Schicht an, gefolgt von weiteren vier freien Tagen, dann Donnerstag, 26. Februar, noch eine Schicht und am Wochenende und Februar-Ende habe ich wieder mein Kind.
Soweit...
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