Direkt zum Hauptbereich

Firnis der Zivilisation (EM21)

Fußball-Europameisterschaft 2021, Endspiel England:Italien, England verliert im Elfmeterschießen, weil drei der Spieler das Tor verfehlen.

Diese drei Spieler haben eine dunkle Hautfarbe.

Hochemotional über den verpassten Sieg beschuldigen nun viele englische Fußballfans pauschal alle Menschen dunkler Hautfarbe, dass England nicht gewinnen konnte, und geben ihrem Unmut Raum in Gewalt gegen jene und benutzen ungeniert das N-Wort in Verbindung mit weiteren grausamen Gewaltphantasien.

"Die Firnis der Zivilisation ist dünn. An manchen Tagen ist sie sogar durchsichtig und erlaubt einen Blick in die Unterwelt" - so kommentiert eine Person das Geschehen in den sozialen Medien.

Ich meine, die Firnis der Zivilisation ist sehr dünn. Wahrscheinlich - in anderen Zusammenhängen - auch bei uns...? Denn es sind ja durchaus Situationen denkbar, Extremsituationen, in denen die eine oder andere Person Dinge tun wird, die im zivilisierten Alltag fast für unvorstellbar gehalten wird.
Das zeigt halt irgendwie auch, wie existenziell offenbar einige Menschen von so einer Albernheit wie Fußball betroffen zu sein scheinen.
...oder wie wenig Zivilisationsfirnis ihnen zugute kam.
...wofür sie möglicherweise nicht die alleinige und wahrscheinlich auch nicht die Hauptverantwortung tragen, denn in erster Linie, meine ich, sind wir sehr stark abhängig von den sozioökonomischen Bedingungen, unter denen wir uns mittelprächtig oder sogar überaus gut entwickeln konnten.
...bzw. noch anders: Aus unseren biologischen Anlagen heraus entwickeln wir uns "automatisch" zum recht aggressiven Predatoren, aber indem wir durch eine gut funktionierende Gesellschaft und Gütersicherheit dieser Biologie ausreichend Kultivierung entgegensetzen können, wird aus uns möglicherweise so etwas wie ein zivilisierter Mensch.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Kynosarges 2508

6. auf den 7. April war der letzte Eintrag.  Jene Nacht war ich selbst Couchsurfer bei derjenigen Person, die ich für den 15. bei mir erwartete, um meine Rückfahrt von meiner Mutter zu mir aufzuteilen und um sich gegenseitig kennenzulernen, da ich am 15. berufsbedingt nicht anwesend war.  Heute ist der 30. April, die Nacht zum 1. Mai, also sind 24 Tage aufzuholen.  Von meinem Langzeitgast kassierte ich am 7. noch nicht den Schlüssel. Nach meiner Reise und angesichts einer folgenden Doppelschicht ließ ich es vorerst bei einer Anmahnung, den Keller zu verlassen, und bereitete mich lieber für die Arbeit vor. Die Doppelschicht vom 8. auf  den 10. verlief gut, aber in meiner Abwesenheit sorgte mein Langzeitgast erneut für Ärger mit den Nachbarn, denn am 9. hatte er wieder einmal den Schlüssel drin vergessen, als er raus gegangen war. Ich hatte zwar meine Nachbarn gebeten, ihn nicht hineinzulassen, da aber die Tür nicht richtig geschlossen war, kam er doch wieder hineinges...

Kynosarges 2507

Sonntag Abend, 6. April, und mir kommt ein neuer Schreibimpuls. Am 1. April hatte mich die Uni tatsächlich aus dem System genommen, weil eine Überweisung wegen des Semesterbeitrags auf ihrer Seite falsch verbucht wurde. Allerdings ließ sich dies bereits am 2. erfolgreich klären und am 3. war wieder alles repariert. 2. und 3. verbrachte ich mit kleinen Ausflügen mit meiner Mutter, das herrliche Frühlingswetter bot dies an. Am zweiten dieser beiden Tage waren wir in einer schönen kleinen Bibliothek eines milliardenschweren Fabrikanten. Die ausgestellten Bücher weckten in mir einerseits einen Schreibimpuls, andererseits wuchs auch erneut mein Interesse, in die geistigen Streifzüge anderer Jahrhunderte und Jahrtausende einzutauchen und zu sehen, was Menschen jener Zeiten uns heute Wahres und Relevantes sagen können per gedanklicher Zeitreise. Am 4. dann machte ich mich auf den Weg zunächst nach Stuttgart, um eine meiner Schwestern mit ihren Kindern zu sehen - ein verhältnismäßig kurzer Bes...

Kynosarges 2509

Heute ist Freitag, der 16. Mai, und ich sitze in der Bahn auf dem Weg nach Hause nach der Arbeit, einer 24h-Schicht, bin innerlich aufgewühlt vom Umgang mit Dunning-Kruger-Effekt usw. bei meiner Klientin. Sie bat mich diesen Morgen, sie zu unterstützen im Gespräch mit einem Kollegen, mit dem sie zwei oder drei zu bearbeitende Themen hatte. Sowas ist natürlich eine heikle Situation, die schnell Missverständnisse und Konflikte schaffen kann, daher bat ich sie im Sinne einer Sprechregelung mir mitzuteilen, welche Themen ich ansprechen und welche ich aussparen sollte. Um zu verdeutlichen, was beispielsweise wohl ein auszusparendes Thema sein könnte, nannte ich Alkoholkonsum zB während einer Urlaubsbegleitung - eines der Themen, die sie mit dem Kollegen hatte, war sein allgemeiner Alkoholkonsum und sie hatte ihn für eine Urlaubsbegleitumg vorgesehen. Sie war sofort heftig aufgebracht, wie ich denn überhaupt auf die Idee komme, gerade mit ihm Alkohol anzusprechen, und nannte mich mehrfach du...